Seit 1.6. Projektleiter von „Bis 30 Auf 30“ der KlimaKom gemeinnützige Genossenschaft

Zum 1. Juni habe ich für mind. 1 Jahr eine Projektleiter-Aufgabe der 
KlimaKom gemeinnützige eG aus Bayreuth übernommen.

Die Klimakom weist im Bereich Projektmanagement, Konzeption, Organisation und Moderation von Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz langjährige Erfahrung auf. Durch ihre bayern- und bundesweite Projektarbeit ist sie gut mit zahlreichen politischen, zivilgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Akteur*innen vernetzt.

Die Idee
Klimawandel, Biodiversitätsverlust, soziale Ungleichheit – die kommenden Jahre sind voller Herausforderungen, die von der persönlichen bis in die gesamtgesellschaftliche Ebene mutige Entscheidungen und Veränderungen verlangen.
Bis 30 auf 30“ ist eine Initiative, die den erforderlichen Transformationsprozess hin zu einer ressourcenschonenden, klimaneutralen, krisenfesteren, solidarischen, und damit enkeltauglichen Lebensweise fördert und begleitet.
Wir von der Klimakom gemeinnützige eG wollen lokalen Gruppen Orientierung und Begleitung bieten, in ihrer Gemeinschaft, in der privaten Lebensführung oder ihrem unternehmerischen Wirken einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.
Diese Gruppen können aus Einzelpersonen, Wohn- und Lebensgemeinschaften, Familien, Nachbarschaften, Institutionen, Unternehmen oder Kommunen und Städten bestehen, mit denen zusammen wir „Bis 300 auf 30“ modellhaft und multiplizierbar vor Ort mit Leben füllen wollen.

Das Ziel
Die Initiative ist darauf ausgerichtet den ökologischen Fußabdruck bis 2030 auf 30 Prozent des heutigen Durchschnittswertes zu reduzieren. Ansatzpunkte dafür reichen vom Mobilitätsverhalten, über den Energie- und Ressourcenverbrauch bis zur Ernährungsweise und der Art und Weise des Wohnens und der Freizeitgestaltung.
Die lokalen Lerngruppen loten zunächst ein halbes Jahr lang jeden Monat spielerisch mit dem Kurs „Klimafreundlich Leben“ die Möglichkeiten aus, um diesem großen Ziel Stück für Stück näher zu kommen – und setzen individuell gewählte Vorhaben direkt um. In dieser Orientierungsphase können erste direkte Effekte der eigenen Verhaltensänderung in der CO2-Bilanz entdeckt werden. Im Anschluss wird gemeinsam überlegt, in welchen Formaten und mit welchen inhaltlichen Schwerpunkten der Weg weitergegangen wird.
In dem ersten halben Jahr werden nicht nur Erfolge gefeiert, es werden auch Grenzen des eigenen Handelns deutlich. Diese gilt es gemeinsam in größerem Kreis – auf institutioneller Ebene strategisch anzugehen.
Im Rahmen von „Bis30Auf30“ wollen wir eine ganzheitliche und maßgeschneiderte Reduktionsstrategie UND eine nachhaltige Umsetzungsbegleitung anbieten.

Sie haben Interesse …
kommen Sie gerne über die ed.03fua03sibnull@ofni oder unter 0049-176-63118811 auf mich zu!

6×2 … Sechs Kommunen und Pfarreien für gemeinsamen Klimafreundlich-Leben-Piloten gesucht

Partnerschaften gesucht!
Für dieses bayernweit angelegte Klima-Pilotprojekt sucht die KlimaKom gemeinnützige eG mind. 6 interessierte Kommunen und Pfarreien oder kirchliche Einrichtungen, die dieses Modell-Projekt gemeinsam durchführen wollen.

Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Artensterben und soziale Ungleichheit ….
die kommenden Jahre sind voller Herausforderungen, die von der persönlichen bis in die gesamtgesellschaftliche Ebene mutige Entscheidungen und epochale Veränderungen verlangen, um den erforderlichen Transformationsprozess hin zu einer ressourcenschonenden, klimaneutralen, krisenfesteren, solidarischen, und damit enkeltauglichen Lebensweise zu schaffen.
Die KlimaKom gemeinnützige eG will über das Kurs-Format „Klimafrendlich Leben“ als niederschwelligen Einstieg lokalen Gruppen Orientierung und Begleitung bieten, in ihrer Gemeinschaft, in der privaten Lebensführung oder ihrem unternehmerischen Wirken einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Es ist Ziel, im Rahmen dieses Projekts Lerngruppen von jeweils 5-10 Personen ins Leben zu rufen, die mehr über die Hintergründe und Auswirkungen des Klimawandels wissen, voneinander lernen und mit Gleichgesinnten ins gemeinsame TUN kommen wollen.
Die Initiative ist darauf ausgerichtet den ökologischen Fußabdruck bis 2030 auf 30 Prozent des heutigen Durchschnittswertes zu reduzieren.

Die anschließende Orientierungsphase in den Lerngruppen umfasst sechs Gruppenabende, die sich über ein halbes Jahr verteilen. Sie richtet sich an interessierte und engagierte Privatpersonen, die effektiv und spielerisch ihren C02-Fußabdruck reduzieren wollen.

Am Anfang wird dabei unter Begleitung der Kursleitung eine persönliche CO2-Bilanz erstellt, um den Ist-Stand und die Reduktionspotentiale der eigenen Verhaltensweise in Zahlen zu fassen.
An den Gruppenabenden werden Themenkomplexe mit großem Einsparpotential vertieft (Mobilität, Ernährung, Wohnen&Energie und Konsum) und gemeinsam Einsparziele gesteckt, die zwischen den Gruppenabenden umgesetzt werden.

Neben der ganzheitlichen Betrachtung der C02-Bilanz ist die hohe Umsetzungsquote der selbst gestellten Aufgaben hervorzuheben: in über 30 bereits abgeschlossenen Kursen wurden jeweils über 90 % umgesetzt!

Interesse?
Bitte an ed.03fua03sibnull@ofni schreiben oder Franz Galler unter 0049-176-63118811 anrufen.

Stadt Burghausen übernimmt ökologische Vorreiter-Rolle – verursacht durch Klimafreundlich Leben Kurs

Foto Dr. Holger Lundt

Dr. Holger Lundt ist verheiratet, hat 3 Kinder, von Beruf Physiker und inzwischen im Ruhestand. Als aktives Mitglied beim Bund Naturschutz und im Landesbund für Vogelschutz engagiert er sich seit Jahren im Arten- und Grundwasserschutz des Landkreises Altötting.
Im Jahr 2021 nahm Dr. Lundt in einem meiner Klimafreundlich Leben Kurse teil, der vom Umweltamt der Stadt Burghausen organisiert wurde.
Lesen Sie im Interview, warum dieser Klimafreundlich Leben Kurs einen nicht unerheblichen Anteil daran hat, dass die Stadt Burghausen als 1. Kommune Deutschland bei
mitmacht.

Franz:
Lieber Holger – Burghausen ist als die 1. Kommune in Deutschland bei „4 per 1000“ dabei. Hier der Zeitungsbericht der PNP vom 26.3.22 „Gesunde Böden als Querschnittsaufgabe – Stadt Burghausen übernimmt Vorreiter-Rolle“ ….
Du hattest damals bei unserem Klimafreundlich Leben Kurs in Burghausen als Aufgabe genau dieses Wunsch-Ziel formuliert. Von daher möchte ich dir ganz persönlich für diesen Erfolg gratulieren!
Magst du uns erzählen, was die Ziele von „4 per 1000“ sind und warum dir dies so wichtig war, dass du dir genau diese Aufgabe vorgenommen hattest?“

Holger:
Die 4p1000 Initiative wurde im Jahr 2015 von der Regierung Frankreichs während der Weltklimakonferenz in Paris gegründet. Das wesentliche Merkmal dieser Initiative ist ein Lösungsansatz, der den drei großen Herausforderungen unserer Zeit, nämlich Klima- und Artenschutz und eine nachhaltige Landwirtschaft, ein gleicher Weise gerecht wird. Die zentrale Maßnahme dabei ist ein weltweiter Aufbau von Humus in unseren Böden. Denn unsere Böden sind ja noch vor den Wäldern der größte terrestische Speicher von Kohlenstoff auf unserem Planeten. Dabei geht es nicht nur um eine Senke für CO2 zum Klimaschutz, sondern auch die Bewahrung der Bodenfruchtbarkeit für eine ökologisch orientierte Landwirtschaft. Zugleich wird der Boden selbst als Ressource vor Erosion geschützt und die lebenswichtige Bildung von Grundwasser gefördert.

Franz:
Warum glaubst du hat die Stadt Burghausen diese Vorreiter-Rolle übernommen und was sind die Gründe, warum es in Deutschland seit 2015 bisher noch keine Kommune vorher getan hat?

Holger:
Humus in der oberen Bodenschicht fördert nicht nur die Grundwasserneubildung sondern er schützt auch die unteren Grundwasservorkommen vor Eindringen von Nitrat. Genau dieser Effekt ist für uns in Burghausen besonders wichtig. Daher passt die 4p1000 Initiative hervorragend zu unseren bisherigen Bemühungen zum Grundwasserschutz in Burghausen. Und daher war es mir so wichtig, diese internationale Initiative in unsere kommunale Politik hineinzutragen. Hinzu kommt der glückliche Umstand, dass Prof Hülsbergen von der TU München, der die Stadt Burghausen beim Grundwasserschutz ohnehin berät, bei diesem Thema einen Forschungsschwerpunkt hat und daher auch die 4p1000-Programme in Burghauen wissenschaftlich begleiten kann.
Leider hatte unsere alte Bundesregierung zwar Frankreich auf internationalen Konferenzen die Teilnahme an 4p1000 zugesagt, praktisch ist das  aber kaum  in konkreten Programmen umgesetzt worden. Daher ist 4p1000 bisher auf kommunaler Ebene in Deutschland kaum bekannt geworden. Das ändert sich aber gerade. In Bayern unterstützt inzwischen auch die Landesanstalt für Landwirtschaft 4per1000 und erarbeitet ein Humus-Programm.

Franz:
Gibt es denn schon erste Erfolge aufgrund der Teilnahme von Burghausen an 4p1000 und wie ist die Umsetzung in der Region organisiert?

Holger:
Nach dem Beitritt von der Stadt Burghausen bei 4p1000 wird nun in Zusammenarbeit mit der Ökomodellregion Inn-Salzach und Prof. Hülsbergen ein Programm erarbeitet, dass folgende Schwerpunkte haben wird:
– Anbau von Leguminosen
– Verwendung von Pflanzenkohle und Kompost
– Agroforste und Hecken
Die genauen Rahmenbedingungen werden derzeit erarbeitet.

Franz:
Welche Strategie empfiehlst du Kommunen, die ebenfalls bei 4p1000 mitmachen wollen?

Holger:
Maßnahmen zum Humusaufbau können von vielen Kommunen durchgeführt bzw. gefördert werden.  Dazu können landwirtschaftliche Praktiken zum Humusaufbau finanziell unterstützt oder derartige Maßnahmen in Pachtverträgen vereinbart werden. Außerdem können beispielsweise Hecken und Agroforste auch auf kommunalen Grundstücken angelegt werden. Neben den vielen Vorteilen für den Artenschutz sind sie auch hervorragende Kohlenstoffsenken für den Klimaschutz, wie neueste Untersuchungen des Thünen-Instituts zeigen.
Ich wünsche mir, dass viele Kommunen dem Beispiel Burghausen folgen und so den Klima- und Bodenschutz auf die kommunale Ebene bringen. Genau da gehört er hin, nämlich vor die Haustür.

Franz:
Dürfen sich Kommunen oder Interessierte bei dir melden?

Holger:
Gerne unter meiner Email-Adresse
Für weitere Fragen zum 4p1000-Beitritt von Kommunen sind die Ansprechpartner bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung Frau Julia Klemme und Frau Claudia Schepp.
Hier auch noch ein gut gemachtes und leicht verständliches 3-Minuten-youtube-Video zu 4p1000 in englischer Sprache.

Franz:
Ich bedanke mich herzlich für dieses Interview bei dir und möchte dich gerne um ein kurzes Abschluss-statement zu Klimafreundlich Leben bitten …

Holger:
Lieber Franz, dein Workshop Klimafreundlich Leben in Burghausen hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass das Thema Klimaschutz bei uns verstärkt in die Kommunalpolitik hingetragen wurde. Dafür danke ich dir!
Ich wünsche dir, dass du mit diesem Engagement in unsere Region weiterhin solche Erfolge erzielst.

 

Mein Interview mit Dr. Johann Lecker und Peter Ranzinger zur erfolgreich gelaufenen C02-Bilanzierung vom Biohof Lecker

Klimafreundlich Leben“  als Kursformat – maßgeschneidert eingesetzt – kann erfolgreich eine geplante C02-Ersparnis von Unternehmen, Organisationen, Vereinen und auch Kommunen unterstützen. Vor allem dann, wenn die konkrete Umsetzung der C02-Reduktion in Kooperation mit den Angestellten und Kund*innen passieren soll.

Lesen Sie hier im Interview mit Hans Lecker und Peter Ranzinger, wie das konkret gelaufen ist …

Franz: Hans – du betreibst in Laufen/Obb. einen Biohof samt Ökokiste und Online-Laden für Bioprodukte. Bevor wir darauf eingehen, wie die C02-Bilanzierung konkret gelaufen ist, welche Aha-Effekte du dabei hattest und wie du dein Ziel „C02-neutrale Ökokiste in 2020“ schlussendlich geschafft hast, an dich die Frage: warum hast du dich denn überhaupt zu diesem Schritt entschieden?

Hans: Zu den gesellschaftlichen Auswirkungen unseres Wirtschaftens in ökologischer Sicht hatten wir bereits 2017 durch die Erstellung unserer ersten Gemeinwohlbilanz Wesentliches erfahren. Dabei befassten wir uns auch das erste Mal intensiver mit dem Thema CO2 Fußabdruck unseres Betriebes. Parallel zu den immer lauter werdenden Stimmen von fridaysforfuture beschäftigte ich mich in letzter Zeit immer mehr mit der Klimawirkung unseres eigenen Betriebes und habe mich deshalb auch der Initiative „Verantwortungsvoll Wirtschaften“ der Wirtschaftsförderung BGL und der Bewegung Farmers for Future angeschlossen.
Von der Erstellung eines validen CO2 Fußabdrucks erwartete ich mir die Grundlage für eine objektive Einschätzung unseres Einflusses auf die globalen CO2 Emissionen. Und natürlich einen konkreten Handlungsleitfaden, mit welcher Strategie ich mit unserem Biohof am Sinnvollsten Maßnahmen ergreifen sollte, um damit unseren Beitrag im Sinne der Pariser Klimaschutzziele zu leisten.

Franz: … und wie bist du da jetzt konkret vorgegangen?

Hans: Zum Start habe ich mich zuerst entschieden, die C02-Bilanz für unsere Ökokiste und nicht für den gesamten Biohof zu erstellen. Um den Ausgangsstatus messen und begleitend fortschreiben zu können, brauchte ich analog dem UBA-Rechner für Privatpersonen ein entsprechendes C02-Bilanzierungstool. Und hier kam dann Peter ins Spiel, der mir von dir empfohlen wurde. Mir war wichtig, dass Peter nicht nur so ein tool hatte, sondern auch damit schon wertvolle Erfahrungen vorweisen konnte.
Wir haben dann im ersten Schritt Daten für unseren Ökokisten-Lieferbetrieb ermittelt, die ich Peter übergab. Die wesentlichen Fragen waren hierbei …
* wie hoch ist der Verbrauch fossiler Energieträger für unseren Fuhrpark?
* wie hoch sind die Ressourcen für unsere Heizung?
* welchen Strombedarf haben wir bei welchem Anbieter?
* welche Abfallmengen hat unsere Ökokiste?
* wie schaut es bei der Mobilität in Bezug auf die Lieferketten incl. der Anfahrtswege unserer Mitarbeiter*innen aus?
Der Aufwand bei der Ermittlung der Daten war im Nachhinein betrachtet überschaubar.

Franz: Peter – du hast schon erfolgreich C02-Bilanzen für Unternehmen und auch Kommunen erstellt. Kannst du uns zuerst etwas zu diesem angesprochenen tool sagen und dann natürlich, was die wesentlichen Ergebnisse der Berechnung bei Biohof Lecker waren?

Peter: Gerne! Wir haben ein eigenes C02-Bilanzierungstool von mir eingesetzt, das auf dem Greenhouse-Gas-Protocol basiert. Betrachtet werden hierbei die Sektoren Liegenschaften, Transport, Sonstiges (Papier, Abfall…) und der KlimaPlus-Beitrag (Eigenerzeugung Energie).
In den entsprechenden Sektoren ergab sich bei der Ökokiste folgendes Ist-Ergebnis in C02-Äquivalenten:
– Liegenschaften 0,91 % (333 kg)
– Transport 95,28 % (34.956 kg)
– Sonstiges 3,81 % (1.398 kg)
– KlimaPlus -37,99 % (-13.932 kg)
Er stellte sich also heraus, dass – eigentlich logischerweise – der höchste Anteil bei der Ökokiste im Sektor „Transport“ zu verzeichnen war. Der KlimaPlus-Anteil stammt aus der Erzeugung von Strom aus einer PV-Anlage mit 30.000 kWh/Jahr. Damit verbleiben 22.700 kg CO2 als Minus.

Franz: Hans – wie ging es dir mit dem Ergebnis, warst du überrascht?

Hans: Es ist einfach gut, konkrete Zahlen vorliegen zu haben, denn darauf lässt sich eine Veränderung bewirken. Einerseits war das Ergebnis wie erwartet, andererseits gab es auch einen großen AHA-Effekt für mich.

Franz: da sind wir jetzt aber gespannt … :)

Hans: Dass unser Fuhrpark mit aktuell 4 Diesel-Transportern den größten Anteil an den CO2 Emissionen haben würde, das hatte ich schon vorher vermutet. Überrascht war ich jedoch von dem hohen Anteil, den unsere Mitarbeiter durch ihre Anfahrtswege zum Betrieb an unserer CO2-Bilanz haben.
Andere Bereiche fielen weniger als erwartet ins Gewicht. Der Grund: den Großteil unseres Strombedarfs decken wir mit unserer PV-Anlage, der Rest kommt von einem Ökostromanbieter. Geheizt wird mit Hackschnitzeln aus dem eigenen Wald, zusätzlich wird Abfall durch verstärkte Nutzung von Mehrwegbehältnissen immer weiter reduziert.

Franz: die Ist-Analyse ist eines – wie ist es denn nun weitergegangen und was hast du konkret gemacht, dass deine Ökokiste in 2020 C02-neutral wurde?

Hans: nach der Analyse von Peter war mir klar, dass bei uns im Bereich der Mobilität der größte Hebel zur Vermeidung von Emissionen liegt. Im Dialog mit Peter hat sich für mich eine klare Strategie heraus kristallisiert, die ich dann auch umgesetzt habe. Wir haben unsere PV Anlage erweitert und eine Wall-Box zum Laden für Elektrofahrzeuge installiert. Im Dezember kommt jetzt noch unser erster E-Transporter hinzu.
Um die CO2-Bilanz unserer Mitarbeiter zu verbessern, habe ich Ihnen angeboten, ein Job-Rad zu leasen. Jede/r Mitarbeiter*in, die/der mit dem Fahrrad den Weg zum Betrieb fährt, bekommt zudem 30 Ct je km als Einkaufsgutschein von uns. Seit der Einführung werden jetzt wöchentlich 200 km weniger mit dem Auto gefahren.

Peter: ich finde das wirklich sehr gut, was Hans da in dieser kurzen Zeit gemacht hat. Vor allem, die Mitarbeiter*innen dabei so innovativ einzubinden, finde ich vorbildlich. Trotzdem war uns beiden schnell klar, dass sein Ziel „bis Ende des Jahres C02-neutral“ zu sein, nicht ohne C02-Kompensation zu schaffen sein würde.

Franz: Kompensation! Das ist ein spannendes Thema … Hans – was hast du denn dann gemacht?

Hans: da wir unsere Emissionen nicht kurzfristig eliminieren können, werden wir dieses Jahr noch über die Greensurance Stiftung kompensieren. Dabei werden Moorflächen in Oberbayern re-naturiert und Solarkocher finanziert.
Mittelfristig ist mein Ziel, unsere eigenen Emissionen auch „inhouse“ so weit wie möglich zu reduzieren. Dazu habe ich mir vorgenommen, die noch zu kompensierenden CO2 Emissionen zukünftig über einen innerbetrieblichen Humusaufbau zu schaffen. Das wird noch spannend :)

Franz: das kann man wohl sagen. Zum Schluss noch die Bitte um ein Abschluss-Statement und die Frage, ob ihr diese tolle story gemeinsam mit mir auch  interessierten Unternehmer*innen präsentieren würdet, wenn wer auf mich zugeht?

Hans: gerne bin ich da dabei  … ich denke, die Zeit ist für uns Unternehmen reif dafür, sich sein eigenes Klimaziel zu stecken! Deswegen heißen wir ja auch „Unternehmer“ und nicht „Unterlasser“ :)

Peter: natürlich bin ich da gerne dabei … wichtig ist mir, dass wir beim Thema C02-Fußabdruck für Unternehmen oder Kommunen noch mehr Augenmerk auf eine möglichst nahe und nachhaltige Beschaffung als auch nahe Kompensation legen!

Franz: Es bleibt spannend!
Dann darf ich mich bei euch Beiden recht herzlich bedanken!

Erster Kirchanschöringer Bürgerrats-Prozess: ein voller Erfolg

Foto: Schnetzer
15 per Los ausgewählte Bürgerräte erarbeiteten an zwei Tagen für die Gemeinde Kirchanschöring zukunftsweisende Ideen und Lösungen zum Thema „Ausbau der Kinderbetreuung“.

In einem abschließenden Bürger*innenrats-Forum wurden die Ergebnisse weiteren, interessierten Bürger*innen vorgestellt und in drei Diskussions-Runden zusammen weiter entwickelt und verfeinert.

Der gesamte Bürgerrats-Prozess wurde in der dynamischen Moderationsform Dynamic Facilitation (DF) durchgeführt. Ich durfte beim Bürger*innenrats-Forum mit moderieren und war vom Format begeistert.
Foto: Silvia Weber Fotografie
Meine Gemeinwohl-Kollegin Tanja Schnetzer hat den gesamten Prozess des ersten Kirchanschöringer Bürgerrats als Projektleiterin zusammen mit ihrer Umsetzungspartnerin Cordula Riener-Tiefenthaler gestaltet und moderiert.

Lesen Sie hier in einem Beitrag von Tanja Schnetzer ..
* wie der Bürgerrats-Prozess in Kirchanschöring konkret gelaufen ist, was die Bürgerräte dazu sagten und zu welchen Ergebnissen er führte
* wie Hans-Jörg Birner, Bürgermeister der ersten Gemeinwohl-Gemeinde Deutschlands, den 1. Bürgerrat in seiner Gemeinde beurteilte

 

Gemeinde Kirchanschöring als Zukunftskommune ausgezeichnet

Für eine zukunftssichernde Entwicklung lohnt der Blick auf die 1. GWÖ-Gemeinde Deutschlands

Kirchanschöring im Landkreis Traunstein hat als erste Gemeinde Deutschlands eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt und wurde nun im Rahmen eines Forschungsprojekts von der Universität Göttingen als Zukunftskommune ausgezeichnet.

Das Zentrum für nachhaltige Entwicklung mit dem Forscherteam um Professor Dr. Peter Schmuck von der Georg-August Universität Göttingen suchte und sucht fortlaufend in ganz Deutschland nach kleinen bis mittelgroßen Kommunen (bis 30.000 Einwohner*innen), die sich in verschiedenen Projekten für eine nachhaltige, zukunftssichernde Entwicklung einsetzen, und stieß dabei auch auf Kirchanschöring.

Bürgermeister Hans-Jörg Birner sagt: „Die freiwillige GWÖ-Bilanzierung ermöglicht einen genauen Überblick über wertebasiertes Handeln und Wirtschaften in der Gemeinde“. Seine Gemeinde folge damit letztlich der bayerischen Verfassung, in der am Gemeinwohl orientiertes Handeln verpflichtend festgeschrieben ist. „Die Gemeinde legt zum Beispiel ihr Geld nur bei ausgewählten Banken an, die einen ethisch orientierten Katalog für ihre Anlagen vorweisen können. Zu den gemeinwohl-orientierten Projekten zählt auch das von Bürger*innen gemeinsam geplante und realisierte Haus der Begegnung„. In diesem sind barrierefreie Miet- und Sozialwohnungen sowie eine ambulant betreute Wohngemeinschaft für Senior*innen, ein Sozialbüro und eine Arztpraxis untergebracht. Zudem bildet die Einrichtung einen attraktiven Ort als Bürgertreffpunkt in der so neu entstandenen Dorfmitte.

Die Gemeinde Kirchanschöring ist auf der Webseite Zukunftskommunen bereits dargestellt. Die Plattform wird im Rahmen des Förderprogrammes Kommunen innovativ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt. Sie soll die innovativen Ansätze verbreiten. Die hier porträtierten Kommunen zeichnet aus, dass jeweils drei oder mehr innovative kommunale Vorhaben mit Erfolg umgesetzt worden sind. Sie alle haben im Laufe dieser Prozesse viele Erfahrungen sammeln können und sind bereit, diese weiterzugeben.
(Original-Artikel)

 

Kirchanschöring deutschlandweit erste GWÖ-Gemeinde


Bilanz-Testat für Gemeinwohlökonomie feierlich bei Festakt mit Alois Glück überreicht   

(Kirchanschöring) – Sozial, gerecht, solidarisch und nachhaltig: Als erste Gemeinde in Deutschland hat Kirchanschöring eine Bilanz nach den Prinzipien der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) erstellt. Im Rahmen eines Festakts mit Kommunalpolitikern und GWÖ-Vertretern, bei der Landtagspräsident a.D. Alois Glück eine Impulsrede hielt, bekam Bürgermeister Hans-Jörg Birner am 20. November im Salitersaal vor ca.150 Anwesenden die Testatsurkunde überreicht.

Die beiden GWÖ-Beratenden Dr. Isabella Klien und Kurt Egger aus Salzburg hatten in einem elfmonatigen Prozess das Team der Gemeinde bei der Bilanzierung und Erstellung des Gemeinwohl-Berichtes begleitet und sämtliche Verwaltungs-und Betriebsabläufe auf ihre Verträglichkeit mit den GWÖ-Zielen hin überprüft und abgeklopft.

Freuen sich über den fertigen Gemeinwohlbericht und das Gemeinwohl-Testat:
Kurt Egger und Isabella Klien von der GWÖ-Beratergruppe Salzburg und Hans-Jörg Birner, Bürgermeister der Gemeinde Kirchanschöring. ©: Schröck-Freudenthaler, Laufen


Gelebter Gemeinwohl-Alltag in der Gemeinde
Der Höhepunkt des Abends waren die Berichte der Mitarbeitenden der Gemeinde. Ob beim Pelletseinkauf, bei der Geldanlage, Gebäudereinigung oder Seniorenbetreuung –­ in allen Bereichen spielt das wertebasierte Handeln eine zentrale Rolle. Das Engagement und die Begeisterung waren spürbar: So wird Gemeinwohl-Orientierung tagtäglich in der Gemeinde gelebt.

Praktische Umsetzung der Bayerischen Verfassung
Regionalgruppen-Koordinator Franz Galler stellte in seinem Redebeitrag die große Pionier-Leistung der Gemeinwohl-Gemeinde Kirchanschöring heraus, die – ganz im Sinne einer praktischen Umsetzung des § 3 der Bayerischen Verfassung „Bayern ist ein Rechts-, Kultur- und Sozialstaat. Er dient dem Gemeinwohl“ – weit über die rein ökonomische Betrachtung hinaus gehe.

Regionalgruppen-Koordinator Franz Galler (ganz rechts) gratulierte BGM Birner im Namen des GWÖ-Vereins Bayern, vertreten durch Geschäftsführer Michael Vongerichten (ganz links), und dem Führungsteam der für Kirchanschöring zuständigen Regionalgruppe Südostbayern, Tanja Schnetzer (2.v.li. Kommunen & Bürgerbeteiligung), Judith Zahn (stv. Koordinatorin, Unternehmen) und Hermann Hofstetter (Vernetzung Bio&Regional und Kirche). ©: Foto Trübenbach

Weitere bayrische Gemeinden am Weg
Die gesammelten wertvollen Erfahrungen sollen nun anderen Gemeinden zugute kommen, die mit der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) ebenfalls einer gerechten, nachhaltigen und ganzheitlichen Betrachtung ihrer Gemeinde folgen wollen.

Gemeinwohl-Bericht als Download
Der 132 Seiten umfassende Gemeinwohl-Bericht gibt einen detaillierten Überblick über das ethische Wirtschaften der Gemeinde. Er steht auf der Gemeinde-Homepage als download zur Verfügung …

Hier der Presseartikel von Axel Effner zur Veranstaltung am 20.11.18 in der Südostbayerischen Rundschau.

Rückfragen an
Hans-Jörg Birner, Bürgermeister der Gemeinde Kirchanschöring, ed.gnireohcsnahcriknull@retsiemregreub

Mehr Info unter bayern.ecogood.org/suedostbayern