Interview mit Hans Glück, dem Projektverantwortlichen von Klimafreundlich Leben


Nach erfolgreicher Pilotphase soll das neue Kurs-Format „
Klimafreundlich Leben“ (KFL) ebenso durchstarten wie „Enkeltauglich Leben“ (EL).
Erfahren Sie hier im Interview mit Hans Glück, warum es neben EL nun auch KFL gibt, was die beiden Spiele gemeinsam haben und was sie unterscheidet … und vor allem, wie es nun weitergehen soll.

Foto: Effner
Hans Glück ist Referent für Nachhaltigkeit und Familienbildung im Kath. Bildungswerk Traunstein (KBW TS) und Projektverantwortlicher für Enkeltauglich Leben und Klimafreundlich Leben.

Franz:
Im Jahr 2018  konnten wir gemeinsam EL erfolgreich an den Start bringen. Das Spiel etabliert sich bestens im deutschsprachigen Raum und mittlerweile konnten wir schon über 60 Spieleleiter*innen zertifizieren, die das Spiel vor Ort oder online durchführen.
Ende 2019 kamst du auf mich mit der Idee zu, dass ihr im KBW TS auf Basis dieses Spiel-Formats etwas zum Thema „Klima“ machen wollt, woraus schlussendlich Klimafreundlich Leben entstanden ist.
Wie und warum seid ihr im KBW TS auf diese Idee gekommen?

Hans:
Wir sind aufmerksam geworden auf das Projekt 100xklimaneutral aus Inzell. Das Ziel des Projekts ist es, 100 Personen zu finden, die klimaneutral leben. Das heißt, 100 Personen, die ihren bisherigen CO2-Fußabdruck möglichst reduzieren und den Rest kompensieren. Bei Enkeltauglich Leben hatten wir uns bereits darauf spezialisiert, eine ganzheitliche, nachhaltige Lebensweise der Teilnehmer*innen zu unterstützen. Da dies bei Enkeltauglich Leben sehr gut funktioniert und die Teilnehmer*innen begeistert sind, haben wir das Prinzip auf die wichtige Thematik Klimawandel adaptiert. Ziel von Klimafreundlich Leben ist es also, die Teilnehmer*innen bei der Reduktion ihres CO2-Fußabdrucks zu unterstützen.

Franz:
Was ist das Gemeinsame an den beiden Kurs-Formaten EL und KFL?

Hans:
Gemein ist den beiden Formaten, dass sich jeweils eine Gruppe von fünf bis zehn Teilnehmer*innen über ein halbes Jahr lang trifft. Die Teilnehmer*innen nehmen sich von Treffen zu Treffen Aktionen vor, die sie bis zum nächsten Mal umsetzen möchten. Durch die Verbindlichkeit der Gruppe und die professionelle Moderation der Leitung werden so erhebliche Veränderungen erzielt, die sich die meisten Teilnehmenden vorher nicht vorstellen können.

Franz:
Und was unterscheidet KFL von EL?

Hans:
Der grundsätzliche Unterschied von Enkeltauglich Leben zu Klimafreundlich Leben ist die Themenwahl.
Bei Enkeltauglich Leben geht es darum, im Hinblick auf ein gemeinwohl-orientiertes Leben konkrete Veränderungen zu erwirken, die einer lebenswerten Zukunft für kommende Generationen zuträglich ist. Dabei geht es um Themen wie Demokratie, Solidarität, Menschenwürde, Gerechtigkeit und auch ökologische Nachhaltigkeit.
Bei Klimafreundlich Leben nehmen wir einen Teil aus der ökologischen Nachhaltigkeit – das Thema „Klima“ – und fokussieren unsere Wirksamkeit auf diesen Bereich. Ein wesentlicher Bestandteil des Kurses ist es daher auch erst einmal, seinen eigenen CO2-Fußabdruck zu errechnen und damit seine größten Hebel für Veränderungen kennen zu lernen. Bei Klimafreundlich Leben ist das Ergebnis meist sogar messbar. In der Pilotphase haben die Teilnehmer*innen im Schnitt ca. drei Tonnen CO2 eingespart.

Franz:
Über 1 Jahr durfte ich als Projektleiter bei der Entstehung von KFL mitwirken und 4 Pilotkurse leiten. Wie ist für dich das Resümee der Pilotphase und was waren die AHA-Effekte?

Hans:
Das Überraschende war, dass wir an dem Kurs in der Pilotphase so gut wie nichts anpassen mussten, da er im ersten Durchlauf schon sehr rund lief. Trotz der Pandemie und der dadurch ausgefallenen Auftaktveranstaltung haben wir das Konzept in vier Gruppen mit insgesamt 37 Personen testen können. Unser Anfangs ausgegebenes Ziel 100 to CO2 einzusparen haben wir auch erreicht. Die versprochene Feier mit allen Beteiligten konnte aber leider nicht stattfinden :(.

Franz:
Wie wird es nun mit KFL weitergehen?

Hans:
Für Klimafreundlich Leben gibt es seit Kurzem eine eigene Homepage und die ersten acht Spieleleiter*innen – wie wir unsere Kursleiter*innen liebevoll nennen – gibt es auch bereits, da jede/r Enkeltauglich Leben Spieleleiter*in mit einer kurzen Zusatz-Ausbildung ebenfalls Klimafreundlich Leben Spieleleiter*in werden kann.
Im besten Fall breitet sich Klimafreundlich Leben wie bei Enkeltauglich Leben schon geschehen über den deutschen Sprachraum aus und wirkt bei jeder Durchführung für eine besseres Klima. Um dies in die Tat umzusetzen, werden wir ab Mitte Mai eine Pressekampagne starten, bei der wir alle gängigen Medien auf Klimafreundlich Leben aufmerksam machen.

Franz:
Was können Interessierte an KFL tun, wenn sie daran Interesse haben?

Hans:
Bei Klimafreundlich Leben kann man sich wie auch bei Enkeltauglich Leben als Teilnehmer*in, Gastgeber*in oder auch als Spieleleiter*in engagieren. Die einfachste Variante ist, erstmal Klimafreundlich Leben als Teilnehmer*in zu erleben. Die Möglichkeit dazu gibt es bei einer kostenlosen online Infoveranstaltung am 3. Mai. Wer bereits eines der beiden Spiele durchlaufen hat, kann sich danach auf ein Ausbildungswochenende zum/r Spieleleiter*in bewerben und selbst in Zukunft Klimafreundlich Leben für Gruppen anbieten. Für Engagierte, die das Spiel örtlich oder räumlich zu sich holen möchten, gibt es die Möglichkeit sich eine/n Spieleleiter*in auf der Homepage zu suchen und das Spiel bei sich vor Ort umzusetzen.

Franz:
Ein spannendes und absolut sinnvolles Projekt in der aktuellen Zeit, denn im Grunde wissen wir genug. Es geht darum, uns im Herzen berühren zu lassen, um damit ins Handeln zu kommen. Und das ist für mich die große Stärke von KFL.
Herzlichen Dank an dich Hans, für das Interview!

In 5 konkreten Schritten persönlich KLIMANEUTRAL werden – heute der 3. Schritt: Subsistenz!

Mit 4 konkreten Subsistenz-Maßnahmen den CO2-Fußabdruck der/s durchschnittlichen Deutschen um weitere 4 to senken!

Erfahren Sie hier im Interview mit Hermann Hofstetter Interessantes rund um die alles entscheidende Klima-Frage, den CO2-Fußabdruck, sowie am Beispiel fünf konkreter Schritte, wie jede/r im Sinne des Pariser Klimaschutz-Abkommens KLIMANEUTRAL werden kann …
Foto: Hofstetter
Hermann Hofstetter ist Referent für Schöpfungsverantwortung der Erzdiözese München und Freising und Umweltmanagementbeauftragter des Ordinariats. Er ist im Vorstand vom TAGWERK Förderverein „Unsere Bio Nachbarn“ und Mitglied im Spezialist*innen-Team von Klimafreundlich Leben.

Franz:
Hallo lieber Hermann!
Zuerst möchte ich für mögliche „Erst-Leser“ kurz Revue passieren lassen, was bisher zu unserem Motto „In 5 konkreten Schritten persönlich KLIMANEUTRAL werden“ passiert ist:
* der 1. Schritt war eine „wachrüttelnde Klima-Ist-Analyse“ von dir – wir haben dabei festgestellt, wie wichtig es auf dem Weg zur persönlichen Klimaneutralität ist, diese Ist-Situation zu akzeptieren UND ins Handeln zu kommen
* mit dem 2. SchrittEffizienz“ als Option des eigenen Handelns haben wir im Interview aufgezeigt, wie die/der durchschnittliche Deutsche mit 4 konkreten Maßnahmen relativ leicht den persönlichen C02-Fußabdruck von 11,6 to auf ca. 9,5 to reduzieren könnte.
Heute geht es nun im 3. Schritt mit der Strategie „Subsistenz“ weiter …
Hermann, was ist unter „Subsistenz“ zu verstehen und welche Bedeutung hat diese Strategie im Hinblick auf den persönlichen C02-Fußabdruck?

Hermann:
Der Begriff Subsistenz ist nicht allen so geläufig, nicht eindeutig definiert und weist in unterschiedlichen Kontexten sogar abweichende Bedeutungsinhalte auf. Zum besseren Verständnis würde ich hier den Begriff „Austauschen“ verwenden. Es werden also in den eigenen Handlungsfeldern Produkte und Verhaltensweisen nicht ganz weggelassen, wie bei der Suffizienz, sondern gegen Produkte und Verhaltensweisen ausgetauscht, die den persönlichen CO2-Fußabdruck reduzieren. Es ist also mehr als die Strategie der „Effizienz“, bei der es in der Regel um Einsparen geht, also vereinfacht betrachtet, erfolgt bei der Subsistenzstrategie ein vollständiges Auswechseln – im besten Fall zu null CO2-Emissionen. Der Nachteil liegt oft darin, dass durch jeden stattfindenden Ersatz mit Neuprodukten, der persönliche CO2-Berg zunächst wieder vergrößert wird. Darüber wird zu wenig nachgedacht.

Franz:
Welche 4 konkreten Schritte in den Bereichen Ernährung, Konsum, Mobilität und Gebäude/Energie schlägst du vor, dass wir uns beispielhaft im Bereich Subsistenz anschauen?

Hermann:
Nehmen wir uns doch gleich mal den Bereich Mobilität vor. Wir erleben ja gerade, dass eine Umstellung der Pkw-Antriebe stattfindet. Der Wechsel vom Verbrenner zum Elektroantrieb ist tatsächlich dringend durchzuführen, da die Technik vorhanden ist. Natürlich muss dazu erst ein neuer Pkw produziert werden, was wieder sehr hohe CO2-Emissionen verursacht. Damit lässt sich eine enkeltaugliche Pkw-Gleichung vom Grundsatz her schon weitgehend ableiten, nämlich: Der existierende Fahrzeug Ist-Bestand muss ab sofort stark zurückgehen und nicht-fossil betrieben werden. Um die Klimaziele zu erreichen, gibt es eine klare Aufgabenstellung, die die nachfolgende Grafik sehr gut veranschaulicht (Daten Umweltbundesamt, grafische Darstellung Martin Cormann):

Darüber hinaus müssen die existierenden bzw. noch hinzukommenden Kraftfahrzeuge zukünftig vollkommen in Deutschland recycelt werden, so dass wir über die Stoffbilanz keine CO2-Emissionen weiter anhäufen.

Bei der Ernährung gibt es, nicht nur was die Treibhausgasemissionen betrifft, tatsächlich viele Möglichkeiten von „schlecht“ auf „gut“ zu wechseln, ohne dadurch wieder in anderen Bereichen einen großen Fußabdruck auszulösen. Nehmen wir nur mal als Beispiel den konsequenten Umstieg bei Gemüse, Salat und Obst. Wenn man in den Saisonkalender von WWF oder Greenpeace schaut, erkennt man sehr gut, in welchem Paradies wir eigentlich leben. Über viele Monate im Jahr gibt es aus unseren Landen sozusagen „frisch vom Feld“ dutzende von Gemüse- und Salatarten. Selbst ökologisch produzierte heimische Ware kann unter Beachtung der saisonalen Verfügbarkeit preislich günstig bezogen werden. Es ist klar, dass wir in den Bereich Lebensmittelauswahl und -verarbeitung viel mehr Zeit investieren müssen, als wir es bisher gewohnt sind. Zeitlich gesehen haben wir unsere Ernährung eigentlich als zeitraubende Nebenbeschäftigung eingetaktet. Nochmal: Aus meiner Erfahrung kann sich so gut wie jede/r saisonales, regionales und ökologisches Gemüse, Salat und Obst leisten. Das Gegenteil ist nicht zukunftsfähig und können wir uns daher schon lange nicht mehr leisten.

Das Handlungsfeld Konsum ist aus meiner Sicht echt ein Problem. Vieles was wir hier veranstalten ist völlig sinnlos und muss eigentlich ganz weggelassen werden. Einiges können wir selbstverständlich auf „enkeltauglich“ umstellen. Ich würde sagen, dafür ist Kleidung ein sehr gutes Beispiel. Klar, wir alle brauchen Kleidung, aber genau deswegen macht es einen riesigen Unterschied, wie und welche Kleidung wir beschaffen. Die Lieferketten für Kleidungsprodukte gehen über den ganzen Erdball, da in Mitteleuropa nahezu keine Produktion mehr erfolgt. Wo müssen wir nun hinkommen!? Zunächst müssen wir rasch raus aus der Baumwolle und aus synthetischen Materialien – mir ist schon klar, dass sich jetzt einige fragen, wie das gehen soll. Meine Entwicklungsvorstellung ist aber nicht unzumutbar, schon gar nicht angesichts der Schäden und Langzeitfolgen, die wir mit Kleidung verursachen. Heimische Bioprodukte aus Leder, Schafwolle, Hanf, Jute und Leinen von nachhaltigen Unternehmen müssen wieder den Großteil unserer Kleider ausmachen. Es gibt auch andere Naturmaterialien und Textilien, die mehr Bedeutung bekommen könnten. Wenn man jetzt hinzugenommen noch mehr „repariert“, tauscht und wiederverwendet ist die Verbesserung des Fußabdrucks enorm.

Wirklich wichtig, um der kommenden Klimakatastrophe schnell wirksam entgegen zu treten ist für die große Mehrheit der Gebäudeeigentümer der Austausch ihrer Wärmeerzeugungssysteme. In Deutschland werden immer noch ca. 90% aller Heizzentralen mit Öl, Gas oder Kohle versorgt, da brauchen wir zu Priorität eins bei Gebäuden/Energie nicht lange weiterdiskutieren. Die ewige Lamentiererei zur energetischen Sanierung von Gebäuden hat jahrzehntelang die eigentlichen Kernprobleme verdeckt und zu gewaltigen Fehlentwicklungen – wie z.B. der finanziellen Förderung des massiven Einsatzes von Erdöl-basierten Dämmmaterialien (=Sondermüll) – geführt. Selbstverständlich soll so wenig Raumwärme wie möglich aus den Gebäuden entweichen. Um aber in den deutschen Liegenschaften zukunftsfähig zu werden, muss außer der klimafreundlichen Energieversorgung und ausnahmslos nachhaltiger Baumaterialien der m2-Anteil an Grundfläche und Gebäudefläche, der für den eigenen Bedarf beansprucht wird, stark verringert werden. Diese Debatte müssen wir in unserer Gesellschaft nun eröffnen, so unangenehm das auch werden wird.

Franz:
… und um wieviel würde sich durch deine beispielhaften 4 Subsistenz-Maßnahmen der durchschn. CO2-Fußabdruck des/der Deutschen reduzieren?

Hermann:
Das kann ich natürlich nur in Durchschnittswerten je Bundesbürger und Jahr angeben. Die Werte habe ich stark gerundet und es hängt halt alles auch von den persönlichen Lebensbedingungen ab.
Für den Heizungstausch von fossilen zu regenerativen Energieträgern rechne ich mit einer Einsparung von 1,5 to CO2. Eine gleich hohe CO2-Emissionsreduktion sehe ich beim Ersatz des Verbrenner-Pkws durch ein E-Auto, das darf aber kein Hybrid sein. Der konsequente Bezug von saisonalem Bio-Regio Gemüse, Salat und Obst schlägt mit 0,5 to CO2 zu Buche. Auch bei der enkeltauglichen Kleidung würde ich 0,5 to CO2 ansetzen, da gibt es einschlägige Berechnungen, die niedriger liegen, aber mit Verlaub: die rechnen nicht alle Faktoren, so wie ich.

Franz:
Das heißt, mit diesen vier Subsistenz-Maßnahmen – die im Grunde jede/r relativ leicht machen kann – haben wir den CO2-Fußabdruck von durchschnittlich 9,5 to/Jahr nach dem 1. Schritt „Effizienz“ im 2. Schritt um weitere 4 to auf rund 6 to / Jahr reduziert, und liegen damit schon um ca. 45 % unter dem Fußabdruck der/s durchschnittlichen Deutschen. Super!

Hermann:
Ja, genau – da muss ich aber noch kleine Ergänzungen dazu loswerden. Ich habe mit dem Heizungstausch schon eine ordentliche Investitionsmaßnahme ausgewählt; bei dem tatsächlich vorhandenen Vermögen in Deutschland ist das aber für mich Jammern auf hohem Niveau. Bei den anderen Vorschlägen muss man definitiv in Zukunft mehr Zeit investieren, umsonst gibt es nichts. Falls jemand jetzt die Zahlen, die du gerade aufaddiert hast, nachrechnet muss ich noch eins sagen: Teile der Einsparungen aus Effizienz und Subsistenz würden bei genauerer Betrachtung doppelt gerechnet, deshalb habe ich die Ergebnisse (6 to und 45%) leicht nach oben korrigiert.

Franz:
Beim nächsten Mal geht es nach Effizienz und Subsistenz um das Thema „Suffizienz“ – was für dich gewissermaßen der „Königsweg“ oder man könnte auch sagen, der entscheidende Ansatz ist. Willst du uns heute schon verraten, warum du das so siehst?

Hermann:

Ja, gerne. Ich habe vorhin ja schon kurz anklingen lassen, was ich beispielsweise zum unverantwortlich hohen „Raumbedarf“ in unserem Land denke. Dieses vollkommen überzogene Anspruchsverhalten liegt allerdings in allen Lebensbereichen vor und ist leider anerzogen und angelernt. Maßhalten wurde immer als Einschränkung und nicht als Tugend angesehen, wogegen Wachstum und Ausschöpfen diversester Angebote immer noch als Ziel und Inhalt eines erfüllten Lebens beworben werden. Daher wird möglicherweise für viele die Suffizienzstrategie das interessanteste Thema werden, denn hier kommen wir bei den Handlungsfeldern an die persönlichen „Schmerzgrenzen“. Das „Nichtbeanspruchen“ und der echte „Verzicht“ ist das Mittel der Wahl, weil es halt sofort und nachhaltig zu einer Streichung des entsprechenden Fußabdruckanteils führt. Insgesamt betrachtet haben wir für die meisten Effizienz- und Subsistenzthemen nicht mehr die Zeit – das deutsche CO2-Budget ist in rund 7 Jahren aufgebraucht. Mir ist bewusst, dass diese unangenehme Wahrheit nicht zu Begeisterungsstürmen führt, es gab aber noch nie eine Zeit, in der wir so viel ins Positive verändern, bewegen, erfinden und gestalten können. Für mich als Transformer schlägt jeden Tag das Entwicklerherz in höchsten Tönen. Die Zukunft wird wunderbar und die nachfolgenden Generationen werden mit großer Hochachtung auf uns, unseren Mut und unsere Leistungen zurückblicken.

Franz:
Danke Hermann für das Interview  und für dein Mut machendes persönliches Zukunftsbild am Schluß – wir freuen uns schon wieder auf das nächste Mal, wenn es um die spannende Frage des „Was-brauche-ich-wirklich-für-ein-gutes-Leben-Frage“ geht!

 

In 5 konkreten Schritten persönlich KLIMANEUTRAL werden – heute der 2. Schritt: Effizienz!

Mit 4 konkreten Effizienz-Maßnahmen den CO2-Fußabdruck der/s durchschnittlichen Deutschen um über 2 to senken!

Erfahren Sie hier im Interview mit Hermann Hofstetter Interessantes rund um die alles entscheidende Klima-Frage, den CO2-Fußabdruck, sowie am Beispiel fünf konkreter Schritte, wie jede/r im Sinne des Pariser Klimaschutz-Abkommens KLIMANEUTRAL werden kann …
Foto: Hofstetter
Hermann Hofstetter ist Referent für Schöpfungsverantwortung der Erzdiözese München und Freising und Umweltmanagementbeauftragter des Ordinariats. Er ist im Vorstand vom TAGWERK Förderverein „Unsere Bio Nachbarn“ und Mitglied im Spezialist*innen-Team von Klimafreundlich Leben.

Franz:
Hallo lieber Hermann!
Beim letzten Mal haben wir von dir als 1. Schritt eine „wachrüttelnde Klima-Ist-Analyse“ erhalten und dabei festgestellt, wie wichtig es auf dem Weg zur persönlichen Klimaneutralität ist, diese Ist-Situation zu akzeptieren UND ins Handeln zu kommen.
Und „ins Handeln kommen“ – darum geht es nun heute.
Wie fangen wir am Sinnvollsten an, wenn wir klimaneutral werden wollen?

Hermann:
Neben der Erkenntnis der dramatischen Lage beim Klima und bei den planetaren Belastungsgrenzen bedarf es der Einsicht, dass man selbst Teil des Problems aber auch der Lösung ist – das ist eine zweifache gute Nachricht. Man ist der Situation, den Entwicklungen nicht hilflos ausgeliefert, sondern man kann ins TUN kommen. Weil wir selbst handeln und unserem Leben eine andere, bessere Richtung geben können, besteht die Chance zu einer positiven Grundstimmung bei der wir auch andere mitreißen; Gestalten statt Frustration, Aufbruch statt Lähmung, Hoffnung statt Ohnmacht!
Beim Klima-Handeln gibt es 3 konkrete Strategien für das Handeln: Effizienz, Subsistenz und Suffizienz.
Als 1. Option des Handelns – des eigenen „TUN’s“ – nehmen wir uns heute das Thema „Effizienz“ vor – auch weil sie von den drei genannten Strategien häufig die am leichtesten umzusetzende ist.

Franz:
Was bedeutet für dich „Effizienz“ im Hinblick auf den persönlichen C02-Fußabdruck?

Hermann:
Etwas effizienter zu machen, heißt etwas besser und Ressourcen-sparender zu machen. Das Schöne dabei ist, dass es jede/r sofort machen kann, weil es in aller Regel keiner oder nur geringer Investitionen bedarf. Im Gegenteil: zumeist spart man sich dabei sogar noch Geld!

Franz:
Kannst du uns mit deinen beispielhaften Effizienz-Steigerungs-Maßnahmen in den Bereichen Ernährung, Konsum, Mobilität und Gebäude/Energie auch aufzeigen, wie dadurch der durchschn. CO2-Fußabdruck des/der Deutschen reduziert werden könnte?

Hermann:
Gerne! Hier jeweils ein Bespiel für die vier Bereiche mit dem durchschnittlichen jährlichen Treibhausgas-Einsparpotential je Person.
Ernährung:
Halbierung der Lebensmittelabfälle = 130 kg CO2 / Jahr + Zusatznutzen = 500 EUR jährlich mehr im Lebensmittelbudget.
Konsum:
Die Hälfte der Konsumartikel wird doppelt so lange verwendet, die andere Hälfte wird zur Nutzung weiter- bzw. in Kreislaufprozesse gegeben = 1.490 kg CO2 / Jahr + Zusatznutzen = 1.000 EUR jährlich eingespart, die wir dann für gesunde Hand Made-Kleidungsstücke ausgeben könnten.
Mobilität:
Beim Pkw auf richtigen Reifenluftdruck achten, nicht schneller als 100 auf der Autobahn etc. = jährlich 250 kg CO2 / Jahr + Zusatznutzen = 500 EUR jährlich mehr in der Haushaltskasse, z.B. für den Kauf eines sparsamen Kühlschranks.
Gebäude/Energie:
Ersatz eines über 10 Jahre alten A oder A+ Kühlschranks durch ein A+++ Gerät = 130 kg CO2 / Jahr + Zusatznutzen = 50 EUR jährlich Verbrauchskosten eingespart.

Franz:
Das heißt, mit diesen vier Effizienz-Maßnahmen – die im Grunde jede/r leicht machen kann – haben wir den CO2-Fußabdruck von durchschnittlich 11,6 to / Jahr schon mal auf rund 9,5 to / Jahr um ca. 18 % reduziert. Genial!

Hermann:
Ja, genau und das spürt man auch gleich im ersten Jahr enorm in der gut gefüllten Haushaltskasse. Also: Es gibt unzählige Möglichkeiten, sein Leben effizient klimafreundlicher zu gestalten und Freude dabei zu haben. Das zeigt uns der Kurs „Klimafreundlich Leben“. Jede/r kann sofort damit anfangen…

Franz:
Beim nächsten Mal geht es nach Effizienz um das Thema „Subsistenz“ – da sind wir schon sehr gespannt drauf!
Nun aber noch zur Auflösung deiner Quiz-Frage vom letzten Mal!
Du hattest uns folgende 4 Maßnahmen vorgestellt, die in Summe eine Reduktion der persönlichen jährlichen Treibhausgas-Emissionen von 11,6 to auf ca. 6 to ergeben:
1. Den Strombezug von „dreckigem Deutschlandmix“ auf zertifizierten Ökostrom umstellen;
2. Die Jahresfahrleistung mit einem Klein-Pkw (mit spritsparendem Verbrennungsmotor) um 10.000 km reduzieren;
3. Sich intensiv politisch engagieren für den Klimaschutz;
4. Den deutschen Durchschnitts-Speiseteller der eigenen Ernährung für sich umstellen zu 100% biologisch, überwiegend regional & saisonal bei starker Reduzierung tierischer Produkte.
Deine Quiz-Frage war:
Welche Aufgabe erzielt welches CO2-Einsparpotential bei der Auswahl – 3 to – 1,5 to – 1 to – 0,5 to?
Wie lautet die Auflösung und mit welcher kurzen Begründung?

Hermann:
Ich muss gleich vorausschicken, dass es sich natürlich bei den Werten immer um Durchschnittsangaben handelt, das kann bzgl.der individuellen Lebensumstände durchaus ganz anders aussehen, aber: Das ist kein Problem – es geht hier um das Erkennen von Größenordnungen und da sind oftmals eben genau die plakativen Beispiele sehr hilfreich. Es geht ja um‘s Verstehen und Einordnen, damit man selbst besser priorisieren kann.
Die Auflösung sieht so aus:
0,5 to CO2 spart man jährlich ein, bei der Umstellung auf zertifizierten Ökostrom – der UBA-Rechner wirft hierfür sogar einen noch höheren Wert aus.
– Mit der Reduktion der PkW-Fahrleistung um 10.000 km senkt man seine jährlichen CO2-Emissionen um 1 to. Auch hier gilt: Das ist sehr konservativ angesetzt, bei größeren und nicht so sparsamen Modellen kann das auch das Doppelte betragen.
– Was mit und bei Lebensmitteln und Ernährung angerichtet wird, spricht sich ja immer mehr herum. Dementsprechend hoch ist auch der CO2-Fußabdruck. Also kann man bei der Umstellung auf enkeltauglich und klimafreundlich leicht 1,5 to Treibhausgas-Emissionen reduzieren – vorausgesetzt man gehört zum deutschen Durchschnitt.
– Es ist sicher eine Überraschung, dass die 3 to Emissions-Reduzierung durch das intensive politische Engagement möglich sind. Das liegt daran, dass wir alle weitaus klimafreundlicher leben könnten, wenn die Rahmenbedingungen dazu vorhanden wären und die Ordnungspolitik das nachhaltig unterstützen würde. Das heißt bspw., dass rasch politische Weichenstellungen vorgenommen werden zu:
o Einstellung der Steuerbefreiung von Flugbenzin als auch der Dieselsubventionierung.
o Besteuerung von Ressourcenverbrauch und Klimaschädigung statt Arbeit.
o Erhöhung der CO2-Abgaben mindestens auf das vom UBA empfohlene Preisniveau.
o Verpflichtende Errichtung von PV-Anlagen und Förderung der Energieautarkie durch Bürgerengagement.
o Verpflichtende BioRegio-Verpflegung bei allen kommunalen und öffentlichen Einrichtungen inkl. KiTa, Schulen, Behörden, Sozialbereich etc.
o Verbot von Inlandsflügen.
o Aufbau einer 100% Kreislauf- und Recyclingwirtschaft. Die wegfallenden Arbeitsplätze bei nicht zukunftsfähigen Sektoren im Automobilbereich, bei den Flug- und Reisegesellschaften, in der Chemie und bei der Baustoffindustrie werden staatlich zu 100% gefördert umgebaut zu enkeltauglichen Arbeitsplätzen in der nachhaltigen Baubranche, Biobranche, in Regio-Handwerksbranchen usw. Schöne und gute Arbeitsplätze dezentral, kleinteilig und in Kreislauf-Wertschöpfungsketten statt Sackgassenproduktion in Städten usw.
Ich könnte jetzt hier endlos weitermachen, das ist aber nicht der Rahmen. Wie kommen wir dahin!? Indem wir Druck aufbauen und uns jede/r nach ihren/seinen Möglichkeiten intensiv engagieren und so die Politik zum Handeln bewegen. Wenn die Massen auf den Straßen sind, wird sich was ändern, alles andere dauert zu lang.

Franz:
Danke Hermann für das Interview – wir freuen uns schon auf das nächste Mal, wenn es um die Subsistenz-Frage geht, also darum, wie wir sinnvoll durch „Ersetzen“ und „Anders machen“ Gutes fürs Klima tun können.

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Hier der Info-Flyer zu unserem besonderen Angebot für nachhaltig orientierte Unternehmen/Organisationen mit den Themen:
* Stimmen aus den Kursen
* Klimafreundlich Wirtschaften – Mitarbeiter mitnehmen!
* Klimafreundlich Leben – Was steckt hinter diesem Kurs-Angebot?
* Was passiert an den Kurs-Tagen von Klimafreundlich Leben?
* Was ist das Besondere an Klimafreundlich Leben?
* Was macht Klimafreundlich Leben so erfolgreich?
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Franz Galler
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Die Teilnehmenden stellen sich an jedem Termin eine neue Aufgabe, deren Umsetzung beim nächsten Mal vorgestellt wird. Durch den gemeinsamen Austausch entsteht eine hohe Motivation und Verbindlichkeit, die persönlichen Aufgaben umzusetzen. Für jede erfolgreiche Umsetzung gibt es Klimapunkte, die am Ende des Kurses vom KBW Traunstein kompensiert werden.
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* Welche Inhalte an den sechs Terminen behandelt werden,
* Was die spielerischen Elemente des Kurses sind,
* Wie „Klimafreundlich Leben“ von Privatpersonen, Unternehmen und Organisationen bzw. Vereinen Online oder in Präsenz durchgeführt werden kann und
* vor allem was „Klimafreundlich leben“ bewirken kann

Wir bieten den Online-Schnupperkurs am 25.3.2021 zweimal an – je nachdem Sie sich als Unternehmen oder Privatperson, Verein oder Multiplikator*in dafür interessieren.
Bitte geben Sie bei der Anmeldung an, an welchem Kurs Sie teilnehmen möchten. Nach Anmeldung erhalten Sie von uns einige Tage vor dem Kurs den Zoom-Zugangscode.

Wann:
25.3.2021 von 9.00 – 11.00 Uhr für Unternehmen
25.3.2021 von 18.30 – 20.00 h für Privatpersonen, Vereine, Multiplikator*innen

Kosten:
Ihnen entstehen keine Kosten, wir freuen uns allerdings sehr, wenn Sie für Ihre Teilnahme am Schnupperkurs z.B. bei Oxfam ein Klimaretter-Kit spenden

Teilnehmerzahl:
max. 25 Personen

Anmeldung an:
ed.noiger-egitlahhcannull@ofni

Das Klimafreundlich Leben-Quiz: Wie jede/jeder in fünf konkreten Schritten KLIMANEUTRAL werden kann!

„Ich will die Führer der Welt nicht um unsere Zukunft anbetteln.
Ich werde stattdessen die Menschen auf der ganzen Welt bitten, zu erkennen, dass unsere politischen Führer versagt haben.
Weil wir uns einer existenziellen Bedrohung gegenübersehen und es keine Zeit gibt, diesen Weg des Wahnsinns fortzusetzen … “  
                                                           Greta Thunberg   

Interview mit Nachhaltigkeits-Experten Hermann Hofstetter

Erfahren Sie hier im Interview mit Hermann Hofstetter Interessantes rund um die alles entscheidende Klima-Frage, den CO2-Fußabdruck, sowie am Beispiel fünf konkreter Schritte, wie jede/r im Sinne des Pariser Klimaschutz-Abkommens KLIMANEUTRAL werden kann  …

Foto: Hofstetter
Hermann Hofstetter ist Referent für Schöpfungsverantwortung der Erzdiözese München und Freising und Umweltmanagementbeauftragter des Ordinariats. Er ist im Vorstand vom TAGWERK Förderverein „Unsere Bio Nachbarn“ und Mitglied im Spezialist*innen-Team von Klimafreundlich Leben.

Schritt 1: Analyse zur „Klima-Katastrophe“

Franz:
Lieber Hermann – du nimmst in Bezug auf das Thema „Klima“ kein Blatt vor den Mund und sprichst ganz nach dem obigen Zitat von Greta Thunberg von einer sich abzeichnenden „Klima-Katastrophe“.  Was veranlasst dich zu dieser klaren Aussage und … ist das überhaupt „menschengemacht“?

Hermann:
Unsere bevorzugte Lebens- und Wirtschaftsweise, die übrigens gerne als „Fortschritt und westliche Zivilisation“ bezeichnet wird, führt zur Vernichtung der natürlichen Lebensgrundlagen. Warnungen dazu gibt es schon seit sehr langer Zeit – mindestens seit 50 Jahren kann man die zunehmenden Erkenntnisse einer Vielzahl von Forschungsergebnissen und populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen entnehmen. So erschien 1975 das Buch „Ein Planet wird geplündert“ von dem ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Herbert Gruhl und 1994 „Das Maß für ökologisches Wirtschaften“ von Prof. Schmidt-Bleek. Stellvertretend für viele andere, zeigten beide, für jede(n) nachvollziehbar und wissenschaftlich belastbar, dass die Menschheit sich in einer Sackgasse bewegt und in kurzer Zeit in mehrerlei Hinsicht auf eine Katastrophe zusteuern wird. 2021 steht die Menschheit am Rande des Abgrunds, und zwar nicht nur wegen des Klimawandels, sondern auch weil andere planetare Grenzen unseres Planeten bereits überschritten sind oder schon bald unumkehrbare „Kipppunkte“ erreicht werden. Die Menschheit – und hier in erster Linie die wohlhabenden, westlich geprägten Gesellschaften – hat es geschafft, ein sich gegenseitiges verstärkendes und kontinuierlich anwachsendes Katstrophengebilde zu erzeugen.

Konkret wieder zurück zum Klima: Alle ernstzunehmenden Wissenschaftler der Erde in den relevanten Wissenschaftsbereichen stimmen überein, was den IST-Zustand und die Ursachen der Klimaveränderungen betreffen und dass der Klimawandel in der Hauptsache menschengemacht ist. 1997 wurde in Kyoto („Kyoto-Protokoll“ der Klimarahmenkonvention) von 191 Ländern beschlossen, dass die Treibhausgas-Emissionen nicht mehr über das Niveau von 1990 steigen dürfen. Das vereinbarte Ziel, den Klimagas-Ausstoß weltweit um 5 % im Vergleich zu 1990 zu reduzieren, ist gescheitert. Bereits bis 2010 waren die weltweiten Treibhausgas-Emissionen im Vergleich zu 1990 um 29 % gestiegen. Was zur Folge hat, dass inzwischen die CO2-Konzentration in der Atmosphäre von 368 ppm (Stand 1990) auf 413 ppm (Stand Januar 2021) noch weiter stark angestiegen ist.

Dies führt nach den Berechnungen des Weltklimarats (2015 und 2018) dazu, dass die Durchschnittstemperatur auf der Erde schon um über ein Grad ansteigen wird, selbst wenn wir ab sofort weltweit kein einziges CO2-Molekül mehr ausstoßen würden. Es führt auch dazu, dass in den nächsten Jahrzehnten der Meeresspiegel sich um mindestens 1 m erhöhen wird und wir allein deswegen wahrscheinlich 3 Mrd. Menschen umsiedeln müssen. Selbst wenn wir bei ungefähr 2 Grad Erwärmung zu  Liegen kämen (Mindestempfehlung „Pariser Klimabeschluss“) werden die negativen Auswirkungen auf die Lebensräume dieses Planeten enorm sein und die dadurch entstehenden Klimaveränderungs-Folgekosten um ein Vielfaches höher liegen als die jetzt benötigten Investitionen zum Gegensteuern. Eine Erwärmung um über 2 Grad hat der Homosapiens während der letzten 500.000 Jahre nicht erlebt und so wie es sich jetzt darstellt, würden bei diesem Szenario nur wenige Menschen überleben können. Stephan Hawking hat in seinem letzten Buch ausgeführt, dass bei einem Temperaturanstieg im Mittel von mehr als 2 Grad sich die Folgeeffekte so hochschaukeln würden, dass die Erde sich auf über 250 Grad erwärmen würde.

Die Zukunft unserer Kinder und der nächsten 100 Generationen sind also dem Altar des Kapitalismus, des ungehemmten Wachstumswahns, den Partikularinteressen und der infantilen Fortschrittsgläubigkeit geopfert worden.
Das kritisiert Greta!
Das kritisiert Papst Franziskus!
Beide rufen zur Umkehr auf, eine andere Art des Wirtschaftens und der Lebensstile weltweit und sofort. Wir müssen das Problem bei der Wurzel packen und da hilft es nichts, wenn wir keinen „Klartext“ sprechen – Jede und Jeder muss es sich zur Aufgabe machen und Verantwortung übernehmen, sonst haben wir keine Chance. Die eigentliche Katastrophe ist, dass wir zum „harmonischen“ Umsteuern mit Maximalkompromissen für Jederfraus Bedürfnisse keine Zeit mehr haben – wir haben keine Zeit mehr, bis der Letzte überzeugt werden kann und bis die Letzte endlich von der Coach runterkommt um zu Handeln. Das deutsche CO2-Budget ist 2026 aufgebraucht, so ist der Stand.

Franz:
Welche Bedeutung hat in diesem Zusammenhang für dich die Betrachtung des persönlichen CO2-Fußabdrucks?

Hermann:
Sich einzugestehen, dass man Teil des Problems und aber auch der Lösung ist, ist der Einstieg. Dauernd mit dem Finger auf andere Menschen und Länder zu zeigen ist scheinheilig, unehrlich und egoistisch. Es ist auch ein Verbrechen gegenüber den nachfolgenden Generationen, die sich erwarten dürfen, dass wir jetzt sofort handeln und dass unsere Antwort auf den Klimawandel fundamental sein wird.

Deutschland gehört zu den Ländern mit dem größten Fußabdruck und hat zudem als eine der reichsten Nationen sehr große Handlungsnotwendigkeiten. Es gibt in der Diskussion oft eine begriffliche Verwechslung mit dem „ökologischen Fußabdruck“, der jedoch den Verbrauch der natürlichen Ressourcen in Erdflächenanteilen je Erdenbürger / Nation berechnet – das ist etwas ganz anderes! Zum CO2-Fußabdruck – über den wir hier sprechen – gibt es noch ein paar Dinge zu beachten:

  • Es handelt sich dabei um einen Durchschnittswert. Das bedeutet, jede(r) Deutsche verursacht im Durchschnitt jährliche CO2-Emissionen von 11,6t. Eingerechnet / umgerechnet sind dabei auch die öffentlichen Emissionen, die durch staatliche Institutionen / Infrastrukturleistungen entstehen. Es wird oft behauptet, diese können wir nicht beeinflussen, das ist so nicht richtig. Indem wir Druck ausüben, uns engagieren und andere politische Entscheidungen ermöglichen, können auch diese Emissionsanteile indirekt – durch unser Handeln – verringert werden.
  • Nicht eingerechnet in den Durchschnitts-Fußabdruck sind Teile der Emissionen, die im Ausland entstehen, für Produkte und Leistungen, die wir beziehen. Selbstverständlich sind wir trotzdem auch verantwortlich dafür. Das macht für Deutschland sehr viel aus und ist immer mitzudenken. Also: Wegen des hohen Import-Anteils am Gesamtkonsum fällt ein großer Teil der von der deutschen Bevölkerung verursachten Treibhausgasemissionen im Ausland an. Damit ist real der individuelle Fußabdruck natürlich noch viel größer als in den meisten Veröffentlichungen dargestellt. So wurde für die konsumbedingten Treibhausgas-Emissionen einer/s Durchschnittsdeutschen ein Wert von 16,3t errechnet (vgl. Tukker et al.: The Global Resource Footprint of Nations: Carbon, water, land and materials embodied in trade and final consumption calculated with EXIOBASE 2.1. 2014). Für die Einschätzung der eigenen Bilanz wichtig: Durch einen hohen Konsum von ausländischen Produkten ergeben sich nochmal viel höhere Werte.
  • Es gibt unterschiedliche Berechnungsmethoden für den CO2-Fußabdruck, daher differieren die Werte, die man in verschiedenen Veröffentlichungen findet, durchaus stark – ich würde zunächst beim Ausgangswert 11,6t bleiben.
  • Wenn man den Fußabdruck für sich bestimmt, bspw. mit dem CO2-Rechner vom Umweltbundesamt (UBA), stößt man in Einzelfällen auf Schwierigkeiten, da nicht alle Lebensmodelle in so einem Bilanzierungsprogramm genau abbildbar sind. Man sieht aber schnell sehr deutlich, wo große Reduzierungen bei den eigenen Treibhausgas-Emissionen in den Handlungsfeldern Gebäude/Energie, Mobilität, Ernährung und Konsum möglich sind und wo nicht. Allein dieser Prozess öffnet schon die Augen, führt zu einem Bewusstseinsbildungsprozess und verstärkt normalerweise das Gefühl der Selbstwirksamkeit.

Franz:
Wir wollen unseren Lesern in den nächsten Gemeinwohl-Rundbriefen aufzeigen, dass „jedermann/-frau“ durch konkretes Handeln relativ schnell KLIMANEUTRAL werden könnte und damit ganz privat die Pariser Klimaziele schnell erfüllen könnte.
Welche Schritte bedarf es dafür?

Hermann:
Angesichts der oben dargestellten Einordnung zum persönlichen Fußabdruck, weiß man ja schon relativ genau, wo man anpacken muss. Und beim „Anpacken“ geht es im Grunde immer um drei persönliche Entwicklungslinien, nämlich „Einsparen, „Verändern“ oder „ganz weglassen“. Da bei diesen Strategien in der Regel viel mit Anglizismen herumgeworfen wird, möchte ich das noch ein wenig erläutern:

Das erste, das Einsparen / besser machen, wird auch als „Effizienz“ bezeichnet. Der einfachste Ansatz – wenn auch in der Praxis oft nicht so leicht umsetzbar – ist weniger CO2 zu erzeugen, bspw. weil weniger fossile Brennstoffe verbraucht werden. Leider wird uns an dieser Stelle gerne „vorgegaukelt“, dass durch bessere – eben „effizientere“ – Technik vieles zu lösen ist; dieser Ansatz der Technikgläubigkeit ist in der Regel falsch, da die Neuproduktion wieder mit zusätzlichen CO2-Emissionen verbunden ist und wertvolle natürliche Ressourcen vernichtet werden. Bei dem Ansatz Effizienz muss „in echt“ – also bei der Gesamtbilanz – eingespart werden – sonst ist er nicht enkeltauglich!

Das zweite, das Austauschen / Verändern kann man auch als „Subsistenz“ bezeichnen. Das wäre der Fall, wenn ein Prozess des Handelns auf weitgehend emissionsfrei umgestellt wird. Dies trifft bspw. zu, wenn der Strombezug auf zertifizierten Ökostrom umgestellt wird; auch wenn der Stromverbrauch gleich hoch bleibt, ist die Emissionsquelle in der persönlichen Bilanz beseitigt.

Das dritte, das ganz weglassen wird auch als „Suffizienz“ bezeichnet. Der Ausdruck „Ersatzlos streichen“ trifft diese Strategie am besten. Das mag sich nun jede(r) selbst überlegen, welche Treibhausgas-Quellen aus dem eigenen Lebensstil ersatzlos gestrichen werden können und wir werden in den nächsten Folgen gemeinsam schauen, ob uns dazu vielleicht etwas einfällt.

Bei der begrifflichen Einordnung ist zu sagen, dass die drei Fachausdrücke vielfach in anderen Themenfeldern, „z.B. der Postwachstumsökonomie“, abweichend definiert werden, daher macht es durchaus Sinn sich wieder der deutschen Bedeutungen zu vergewissern und diese auch zu benutzen; wir wollen ja immer richtig verstanden werden…

Selbstverständlich ist der Königsweg der, der für jede(n) am schnellsten große CO2-Reduzierungen bringt – da gibt es kein Patentrezept, was zu einem passt, muss man selbst herausfinden und sich als Ideenlieferant die Beispiele anderer anschauen. Das geht vor allem dann leichter, wenn man mit Gleichgesinnten an den Lösungen arbeitet, wie es beim Spiel „Klimafreundlich Leben“ der Fall ist.

Jedenfalls wird immer – auch nach Umsetzung aller Maßnahmen – ein Restanteil von Treibhausgas-Emission übrigbleiben. Um dieses Ungleichgewicht in der persönlichen Bilanz zu beseitigen bleibt nur noch der Weg der Kompensation. Das ist ein zweischneidiges Schwert und wir werden in der Interviewserie noch näher darauf eingehen, zunächst kann sich jede(r) auf www.klima-kollekte.de selbst einen Eindruck verschaffen, was dort stattfindet.

Franz:
Beim nächsten Rundbrief starten wir mit dem Thema „Effizienz“ – wie wird das ablaufen?

Hermann:
Da werden wir anhand von beispielhaften Effizienz-Steigerungs-Maßnahmen in den Bereichen Ernährung, Konsum, Mobilität und Gebäude/Energie aufzeigen, wie dadurch der durchschn. Fußabdruck des/der Deutschen reduziert werden könnte.

Heute enden wir jedoch mit einem Quiz!
Als Grundlage dazu nehmen wir vier Maßnahmen als Beispiele, deren Umsetzung von leicht bis schwer geht – für das eine oder andere Beispiel braucht es auch Mut oder Kraft:

Beispiel-Maßnahme 1 – Den Strombezug von „dreckigem Deutschlandmix“ auf zertifizierten Ökostrom umstellen.

Beispiel-Maßnahme 2 – Die Jahresfahrleistung mit einem Klein-Pkw (mit spritsparendem Verbrennungsmotor) um 10.000 km reduzieren.

Beispiel-Maßnahme 3 – Sich intensiv politisch engagieren für den Klimaschutz.

Beispiel-Maßnahme 4 – Den deutschen Durchschnitts-Speiseteller der eigenen Ernährung für sich umstellen zu 100% biologisch, überwiegend regional & saisonal bei starker Reduzierung tierischer Produkte.

Diese 4 Maßnahmen ergeben in Summe eine Reduktion der persönlichen jährlichen Treibhausgas-Emissionen von 11,6 t auf ca. 6 t, was schon gewaltig ist.

Und nun kommt die eigentliche Quizaufgabe liebe Leser*innen:
Nämlich jeder Maßnahme oben soll der ungefähre Einsparungsanteil zugewiesen werden, also: zu welcher oben beschriebener Beispiel-Maßnahme (1 bis 4) passen nachfolgende Einzelwerte – was glauben Sie?

  1. 3 to
  2. 1,5 to
  3. 1 to
  4. 0,5 to

Hinweis: Alle Werte stark gerundet! Die Lösungsreihenfolge ist nicht 1a, 2b, 3c, 4d!
Nächstes Mal kommt die Auflösung …

Franz:
Danke Hermann für die wachrüttelnde Klima-Ist-Analyse und die spannende Aussicht auf´s nächste Mal!

Interview mit Anja Haider-Wallner zu ihrem Buch „So klappt´s mit dem Welt-Retten“

Das Buch „So klappt´s mit dem Welt-Retten“ ist das offizielle Ideenbuch zur Initiative „Enkeltauglich Leben“

Die Burgenländerin Anja Haider-Wallner (geb. 1979) ist Genussmensch und bringt in Kochkursen und –büchern gesunde und nachhaltige Ernährung in die Küchen der Welt.
Foto: Mankau Verlag/ Birgit Machtinger

Erst kürzlich hat sie sich gemeinsam mit über 100 Menschen den Traum eines eigenen Lokals erfüllt. Im „Freuraum“ wird natürlich nachhaltig gewirtschaftet.
Als Unternehmensberaterin begleitet Anja Haider-Wallner Unternehmen und Institutionen auf dem Weg zur Gemeinwohl-Bilanz, und als Spieleleiterin bei „Enkeltauglich Leben“ motiviert sie zur Veränderung.

Vor mir liegt das Buch
„So klappt´s mit dem Welt-Retten“ ISBN: 9783863745509 – € 12 (D) / € 12,40 (A)
von Anja Haider-Wallner und ihrer Tochter Mona Haider.

Ich hab´s mit großer Freude durchgelesen und dann gleich 100 Stck. bestellt, um sie in meinen Enkeltauglich Leben und Klimafreundlich Leben Kursen an die Teilnehmer*innen zu verteilen.
Von den 100 Stck. sind nicht mehr viele da und ich werde bald wieder nachbestellen … und das hat einen guten Grund: alle sind davon begeistert und die meisten haben das Buch so wie ich „in einem Satz“ verschlungen!

Lesen Sie hier im Interview mit der Autorin, wie das Buch entstanden ist und warum es „mehr“ als nur ein Buch geworden ist …

Franz:
Liebe Anja!
Wir lernten uns im Frühjahr 2019 kennen, als ich in Eisenstadt einen Enkeltauglich Leben Kurs für spätere Spieleleiter*innen geben durfte.
Bevor du uns mehr über dein Buch erzählst – magst du uns kurz sagen, wie du auf  Enkeltauglich Leben aufmerksam wurdest und warum du das Spiel und mich nach Eisenstadt geholt hast?

Anja:
Enkeltauglich Leben ist mir als Aktive in der Gemeinwohl Ökonomie schon länger aufgefallen. Ich habe allerdings nicht so richtig verstanden, worum es geht und mich auf den ersten Blick als „zu fortgeschritten“ für das Programm eingestuft.
Bis mich dann eines Tages meine Kollegin Birgit Prochazka im FreuRaum –  einem von uns als Genossenschaft gegründetem gemeinwohlorientierten Social Business in Eisenstadt – angesprochen hat, ob ich mit ihr an einer Spieleleiter*innen Ausbildung dazu teilnehmen wolle. Birgit arbeitet für das Katholische Bildungswerk im Burgenland und wollte hier einen Schwerpunkt initiieren.
Ich hab mir das dann genauer angeschaut und wir haben gemeinsam beschlossen, die Ausbildung und dich ins Burgenland zu holen. Es ist einfach ökologischer und zeiteffizienter, den „Propheten ins Dorf“ als „das Dorf zum Propheten“ zu bringen (und das mit dem Propheten meine ich nicht ironisch).

Franz:
Wer später selbst Enkeltauglich Leben Kurse leiten möchte, muss den Kurs selbst durchlaufen haben. Findest du das sinnvoll?

Anja:
Die Erfahrung in der Enkeltauglich Leben Kurs-Gruppe als Teil meiner späteren Zertifizierung war für mich sehr wertvoll. Es ist ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstanden. Dass auch die Zertifizierung im Herbst 2019 in Eisenstadt stattgefunden hat, das kam meinen zeitlichen Ressourcen sehr entgegen.

Franz:
Und – hast du schon selbst Enkeltauglich Leben Kurse abgehalten?

Anja:
Ich habe bisher zwei Enkeltauglich-Leben-Kurse durchgeführt. Jeweils teilweise online, aufgrund der Pandemie. Das Feedback war durchwegs positiv – Online ist gut, Präsenz ist mir lieber. Derzeit biete ich keine Kurse an, da ich in Bildungskarenz bin.

Franz:
Dein Buch „So klappt´s mit dem Welt-Retten“ – das offizielle Ideenbuch zur Initiative Enkeltauglich Leben“ – hat mich begeistert und mit großer Freunde bin ich einer der „Geburtshelfer*innen“ dazu gewesen.
Soweit ich weiß, war es mehr ein „Zufallsprodukt“. Wie kam es dazu?

Anja:
Nach meinem ersten Kurstag mit dir Franz habe ich ein begeistertes Posting auf Facebook gemacht. Da ich bereits vier Kochbücher bei zwei Verlagen herausgebracht habe, bin ich ganz gut vernetzt und eine Kollegin hat dieses Posting gesehen. Sie hatte bereits vor längerer Zeit Kontakt mit Raphael Mankau vom Mankau Verlag aus Murnau/Staffelsee, der ein Buch zum Thema „Enkeltauglich Leben“ machen wollte und bereits mit dem Kath. Bildungswerk Traunstein in Kontakt war. Als erfahrene Autorin mit  Bezug zu Enkeltauglich Leben war ich die perfekte Wahl für diesen Kompaktratgeber.

Franz:
Was wir dir bei diesem Buchprojekt besonders wichtig?

Anja:
Ich wollte das Buch lebendig und offen gestalten. Nicht mit dem erhobenen Zeigefinger und einem einzigen „richtigen“ Weg, sondern mit vielen Optionen, aus denen die Leser*innen ihr eigenes Spiel finden können.

Franz: Foto: Mankau Verlag/ Birgit Machtinger

Du hast dein Buch zusammen mit deiner Tochter Mona geschrieben. Wie ist es euch denn da zusammen ergangen?

Anja:
Kurz vor dem Buchprojekt hatte Mona ihre Abschlussarbeit an der Waldorfschule über den Klimawandel geschrieben und war bei den ersten fridays for future Kundgebungen mit dabei. Sie wollte gerne mitmachen und wir haben am Konzept gefeilt. Dann kam ein Schulwechsel, der sehr schwierig für sie war und beim tatsächlichen Schreiben ist sie nicht so gut hineingekommen. Geworden sind daraus kurze Statements aus ihrer Sicht zu meinen Texten. Ich finde das ist eine wertvolle Ergänzung, da es ja um die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder geht.

Franz:
Das kann ich bestätigen und finde Mona´s Beiträge sehr stimmig und authentisch.
Das Besondere an eurem Buch ist, dass es „mehr“ als ein Buch ist: die Leser*innen können „So klappt´s mit dem Welt-Retten“ nach dem Lesen gleich mit Freunden spielen.
Wie funktioniert das Spiel und welche Erfahrungen haben deine Leser*innen damit gemacht?

Anja:
Im Buch integriert ist ein Spielplan mit Anleitung. Damit kann jede*r – wenn sie/er das Buch gelesen hat – das Enkeltauglich Leben Spiel in der Miniversion bei sich zu Haus mit Freunden spielen. Einige positive Rückmeldungen sind bereits gekommen, dass das gut klappt. Auch weiß ich vom Kath. Bildungswerk Traunstein, dass schon mehrere nach dem Mini-Spiel auch das „echte“ Enkeltauglich Leben Spiel machen wollten. So war´s ja auch gedacht …

Franz:
Buchverkauf & Corona – wie ist es dir damit ergangen und was hast du in Zukunft mit dem Buch vor?

Anja:
Corona kam drei Wochen nach dem Erscheinen. Ich hatte genau zwei Buchpräsentationen und alle anderen wurden abgesagt. Was sehr schade war. Das Buch kann in jedem guten Buchladen oder online bestellt werden und gerne werde ich nach der Corona-Krise einen 2. Anlauf starten. Aber leider ist das noch nicht absehbar.

Franz:
Was hältst du davon, wenn wir gemeinsam unsere Leser*innen zu einer online-Buchpräsentation mit dir einzuladen?

Anja:
Super Idee … bin dabei  : )

 

Mein Interview mit Dr. Johann Lecker und Peter Ranzinger zur erfolgreich gelaufenen C02-Bilanzierung vom Biohof Lecker

Klimafreundlich Leben“  als Kursformat – maßgeschneidert eingesetzt – kann erfolgreich eine geplante C02-Ersparnis von Unternehmen, Organisationen, Vereinen und auch Kommunen unterstützen. Vor allem dann, wenn die konkrete Umsetzung der C02-Reduktion in Kooperation mit den Angestellten und Kund*innen passieren soll.

Lesen Sie hier im Interview mit Hans Lecker und Peter Ranzinger, wie das konkret gelaufen ist …

Franz: Hans – du betreibst in Laufen/Obb. einen Biohof samt Ökokiste und Online-Laden für Bioprodukte. Bevor wir darauf eingehen, wie die C02-Bilanzierung konkret gelaufen ist, welche Aha-Effekte du dabei hattest und wie du dein Ziel „C02-neutrale Ökokiste in 2020“ schlussendlich geschafft hast, an dich die Frage: warum hast du dich denn überhaupt zu diesem Schritt entschieden?

Hans: Zu den gesellschaftlichen Auswirkungen unseres Wirtschaftens in ökologischer Sicht hatten wir bereits 2017 durch die Erstellung unserer ersten Gemeinwohlbilanz Wesentliches erfahren. Dabei befassten wir uns auch das erste Mal intensiver mit dem Thema CO2 Fußabdruck unseres Betriebes. Parallel zu den immer lauter werdenden Stimmen von fridaysforfuture beschäftigte ich mich in letzter Zeit immer mehr mit der Klimawirkung unseres eigenen Betriebes und habe mich deshalb auch der Initiative „Verantwortungsvoll Wirtschaften“ der Wirtschaftsförderung BGL und der Bewegung Farmers for Future angeschlossen.
Von der Erstellung eines validen CO2 Fußabdrucks erwartete ich mir die Grundlage für eine objektive Einschätzung unseres Einflusses auf die globalen CO2 Emissionen. Und natürlich einen konkreten Handlungsleitfaden, mit welcher Strategie ich mit unserem Biohof am Sinnvollsten Maßnahmen ergreifen sollte, um damit unseren Beitrag im Sinne der Pariser Klimaschutzziele zu leisten.

Franz: … und wie bist du da jetzt konkret vorgegangen?

Hans: Zum Start habe ich mich zuerst entschieden, die C02-Bilanz für unsere Ökokiste und nicht für den gesamten Biohof zu erstellen. Um den Ausgangsstatus messen und begleitend fortschreiben zu können, brauchte ich analog dem UBA-Rechner für Privatpersonen ein entsprechendes C02-Bilanzierungstool. Und hier kam dann Peter ins Spiel, der mir von dir empfohlen wurde. Mir war wichtig, dass Peter nicht nur so ein tool hatte, sondern auch damit schon wertvolle Erfahrungen vorweisen konnte.
Wir haben dann im ersten Schritt Daten für unseren Ökokisten-Lieferbetrieb ermittelt, die ich Peter übergab. Die wesentlichen Fragen waren hierbei …
* wie hoch ist der Verbrauch fossiler Energieträger für unseren Fuhrpark?
* wie hoch sind die Ressourcen für unsere Heizung?
* welchen Strombedarf haben wir bei welchem Anbieter?
* welche Abfallmengen hat unsere Ökokiste?
* wie schaut es bei der Mobilität in Bezug auf die Lieferketten incl. der Anfahrtswege unserer Mitarbeiter*innen aus?
Der Aufwand bei der Ermittlung der Daten war im Nachhinein betrachtet überschaubar.

Franz: Peter – du hast schon erfolgreich C02-Bilanzen für Unternehmen und auch Kommunen erstellt. Kannst du uns zuerst etwas zu diesem angesprochenen tool sagen und dann natürlich, was die wesentlichen Ergebnisse der Berechnung bei Biohof Lecker waren?

Peter: Gerne! Wir haben ein eigenes C02-Bilanzierungstool von mir eingesetzt, das auf dem Greenhouse-Gas-Protocol basiert. Betrachtet werden hierbei die Sektoren Liegenschaften, Transport, Sonstiges (Papier, Abfall…) und der KlimaPlus-Beitrag (Eigenerzeugung Energie).
In den entsprechenden Sektoren ergab sich bei der Ökokiste folgendes Ist-Ergebnis in C02-Äquivalenten:
– Liegenschaften 0,91 % (333 kg)
– Transport 95,28 % (34.956 kg)
– Sonstiges 3,81 % (1.398 kg)
– KlimaPlus -37,99 % (-13.932 kg)
Er stellte sich also heraus, dass – eigentlich logischerweise – der höchste Anteil bei der Ökokiste im Sektor „Transport“ zu verzeichnen war. Der KlimaPlus-Anteil stammt aus der Erzeugung von Strom aus einer PV-Anlage mit 30.000 kWh/Jahr. Damit verbleiben 22.700 kg CO2 als Minus.

Franz: Hans – wie ging es dir mit dem Ergebnis, warst du überrascht?

Hans: Es ist einfach gut, konkrete Zahlen vorliegen zu haben, denn darauf lässt sich eine Veränderung bewirken. Einerseits war das Ergebnis wie erwartet, andererseits gab es auch einen großen AHA-Effekt für mich.

Franz: da sind wir jetzt aber gespannt … :)

Hans: Dass unser Fuhrpark mit aktuell 4 Diesel-Transportern den größten Anteil an den CO2 Emissionen haben würde, das hatte ich schon vorher vermutet. Überrascht war ich jedoch von dem hohen Anteil, den unsere Mitarbeiter durch ihre Anfahrtswege zum Betrieb an unserer CO2-Bilanz haben.
Andere Bereiche fielen weniger als erwartet ins Gewicht. Der Grund: den Großteil unseres Strombedarfs decken wir mit unserer PV-Anlage, der Rest kommt von einem Ökostromanbieter. Geheizt wird mit Hackschnitzeln aus dem eigenen Wald, zusätzlich wird Abfall durch verstärkte Nutzung von Mehrwegbehältnissen immer weiter reduziert.

Franz: die Ist-Analyse ist eines – wie ist es denn nun weitergegangen und was hast du konkret gemacht, dass deine Ökokiste in 2020 C02-neutral wurde?

Hans: nach der Analyse von Peter war mir klar, dass bei uns im Bereich der Mobilität der größte Hebel zur Vermeidung von Emissionen liegt. Im Dialog mit Peter hat sich für mich eine klare Strategie heraus kristallisiert, die ich dann auch umgesetzt habe. Wir haben unsere PV Anlage erweitert und eine Wall-Box zum Laden für Elektrofahrzeuge installiert. Im Dezember kommt jetzt noch unser erster E-Transporter hinzu.
Um die CO2-Bilanz unserer Mitarbeiter zu verbessern, habe ich Ihnen angeboten, ein Job-Rad zu leasen. Jede/r Mitarbeiter*in, die/der mit dem Fahrrad den Weg zum Betrieb fährt, bekommt zudem 30 Ct je km als Einkaufsgutschein von uns. Seit der Einführung werden jetzt wöchentlich 200 km weniger mit dem Auto gefahren.

Peter: ich finde das wirklich sehr gut, was Hans da in dieser kurzen Zeit gemacht hat. Vor allem, die Mitarbeiter*innen dabei so innovativ einzubinden, finde ich vorbildlich. Trotzdem war uns beiden schnell klar, dass sein Ziel „bis Ende des Jahres C02-neutral“ zu sein, nicht ohne C02-Kompensation zu schaffen sein würde.

Franz: Kompensation! Das ist ein spannendes Thema … Hans – was hast du denn dann gemacht?

Hans: da wir unsere Emissionen nicht kurzfristig eliminieren können, werden wir dieses Jahr noch über die Greensurance Stiftung kompensieren. Dabei werden Moorflächen in Oberbayern re-naturiert und Solarkocher finanziert.
Mittelfristig ist mein Ziel, unsere eigenen Emissionen auch „inhouse“ so weit wie möglich zu reduzieren. Dazu habe ich mir vorgenommen, die noch zu kompensierenden CO2 Emissionen zukünftig über einen innerbetrieblichen Humusaufbau zu schaffen. Das wird noch spannend :)

Franz: das kann man wohl sagen. Zum Schluss noch die Bitte um ein Abschluss-Statement und die Frage, ob ihr diese tolle story gemeinsam mit mir auch  interessierten Unternehmer*innen präsentieren würdet, wenn wer auf mich zugeht?

Hans: gerne bin ich da dabei  … ich denke, die Zeit ist für uns Unternehmen reif dafür, sich sein eigenes Klimaziel zu stecken! Deswegen heißen wir ja auch „Unternehmer“ und nicht „Unterlasser“ :)

Peter: natürlich bin ich da gerne dabei … wichtig ist mir, dass wir beim Thema C02-Fußabdruck für Unternehmen oder Kommunen noch mehr Augenmerk auf eine möglichst nahe und nachhaltige Beschaffung als auch nahe Kompensation legen!

Franz: Es bleibt spannend!
Dann darf ich mich bei euch Beiden recht herzlich bedanken!

17.12.2020 – online-Schnupperkurse „Klimafreundlich Leben“ – für Privatpersonen, Unternehmen, Vereine und Netzwerke

Save the date – Online-Schnupperkurs mit Judith Landes & Franz Galler
Klimafreundlich Leben: gemeinsam – inspirierend – konkret!

Ein Angebot für Privatpersonen, Unternehmen, Vereine und Netzwerke
Corona ist in aller Munde, doch der Klimawandel macht deswegen nicht halt!
Seit einigen Monaten wurde der Kurs „Klimafreundlich Leben“ vom Katholischen Bildungswerk Traunstein in der Praxis getestet und es hat sich gezeigt: Auch kleine Schritte tragen dazu bei, unseren CO2 Fußabdruck zu senken!

Was steckt hinter dem Titel „Klimafreundlich Leben“?
Ganz kurz zusammengefasst: „Klimafreundlich Leben“ bedeutet: Ein/e Moderator*in  – Eine Gruppe mit max. 10 Personen – eine Aufgabe je Termin – sechs Termine!

Es geht nicht so sehr um Theorie und Wissen, sondern vielmehr ums Anpacken und Handeln!
Darum wird zwar Hintergrundwissen zum Klimawandel vermittelt, der Schwerpunkt des Kurses liegt aber auf der konkreten Umsetzung: „Was kann ich in meinem persönlichen oder beruflichen Leben ganz konkret tun, um meinen CO2-Fußabdruck zu senken?“

Die Teilnehmenden stellen sich an jedem Termin eine neue Aufgabe, deren Umsetzung beim nächsten Mal vorgestellt wird. Durch den gemeinsamen Austausch entsteht eine hohe Motivation und Verbindlichkeit, die persönlichen Aufgaben umzusetzen. Für jede erfolgreiche Umsetzung gibt es Klimapunkte, die am Ende des Kurses vom KBW Traunstein kompensiert werden.
Alle wichtigen Infos zum sechsmoduligem „Klimafreundlich Leben“ Kurs auf 1 Seite finden Sie hier

Kurs-Format auch für Unternehmen, Organisationen, Netzwerke und Multiplikator*innen interessant
Das Format ist nicht nur für Privatpersonen geeignet, wir bieten das Kursformat auch als maßgeschneidertes Vernetzungs- und Umsetzungs-tool  für Unternehmen, Organisationen, Vereine und Netzwerke an.

Neugierig geworden?
Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, dann nehmen Sie doch an unserem Online-Schnupperkurs teil!
Dort erfahren Sie:
* Welche Inhalte an den sechs Terminen behandelt werden,
* Was die spielerischen Elemente des Kurses sind,
*  Wie „Klimafreundlich Leben“ von Privatpersonen, Unternehmen und Organisationen bzw. Vereinen Online oder in Präsenz durchgeführt werden kann und
* vor allem was „Klimafreundlich leben“ bewirken kann

Wir bieten den Online-Schnupperkurs am 17.12.2020 zweimal an, Sie können entweder vormittags oder abends daran teilnehmen. Bitte geben Sie bei der Anmeldung an, an welchem Kurs Sie teilnehmen möchten. Nach Anmeldung erhalten Sie von uns einige Tage vor dem Kurs den Zoom-Zugangscode.

Wann:
17.12.2020 von 9.00 – 10.30 h oder
17.12.2020 von 19.30 – 21.00 h

Kosten:
Ihnen entstehen keine Kosten, wir freuen uns allerdings sehr, wenn Sie für Ihre Teilnahme am Schnupperkurs z.B. bei Oxfam ein Klimaretter-Kit spenden

Teilnehmerzahl:
max. 25 Personen

Anmeldung an:
ed.noiger-egitlahhcannull@ofni