Skip to content

Zertifikatskurs „Nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume“ verabschiedet erste Absolventen

von franz.galler am 27.03.2012
Zertifikatsübergabe in Laufen

Von der Humuswirtschaft bis zur Regionalwährung: Nachhaltigkeit hat viele Gesichter

Laufen / Berchtesgadener Land (dk – ed.xmgnull@oolkaleinad) – Ein Jahr lang haben sie sich an verschiedenen Orten im Berchtesgadener Land mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ auseinandergesetzt. Sie beschäftigten sich mit Genossenschaftsmodellen, Energie-autarken Gemeinden, Selbsthilfe oder Kooperation. „Es gibt viel zu tun“ und „Der Schlüssel steckt in der Kommunikation“, so das Fazit von Teilnehmern des berufsbegleitenden Zertifikatskurses „Nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume“. Zehn Absolventen konnten nun in den Räumen der „Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege“ (ANL) in Laufen ihre Abschlusszeugnisse entgegen nehmen.

Zwei Semester lang beschäftigten sich die Teilnehmer im „Haus Chiemgau“ in Teisendorf und auf der „Neubichler Alm“ bei Piding mit Themen wie „Lokal handeln, global denken“, „Selbsthilfe und Selbstorganisation“ oder „Ökosoziales Wirtschaften“. Vier Fachmodule gingen auf die Energie-autarke Gemeinde, Genossenschaften und Geld für nachhaltige Entwicklung sowie auf die Organisation ländlicher Infrastruktur ein. Wichtig war den Lehrgangs-Leitern ein produktiver Theorie-Praxis-Dialog, der ein wissenschaftliches Fundament mit erfolgreichen Lösungsansätzen kombiniert.

Zur Zertifikatsverleihung begrüßte Sterntaler-Gründer Franz Galler, Mitinitiator und Organisator vor Ort, die Teilnehmer und Ehrengäste in den Räumen der ANL. Landrat-Stellvertreter Helmut Fürle lobte die fachliche Güte der Zusatzqualifikation. Er beobachte, wie Franz Galler seit Jahren mit Energie und Zielstrebigkeit für das Thema „Nachhaltigkeit“ kämpfe. „Ich hoffe, er hat seinen Enthusiasmus auf sie übertragen können“, sagte er.

„Auch bei uns stehen Nachhaltigkeit und Lebensstile auf der Agenda“, so ANL-Direktor Dr. Christoph Goppel. Dabei sei es entscheidend, aus Betroffenen Beteiligte und aus Beteiligten Begeisterte zu machen. Er gratulierte den Kursteilnehmern zu ihrem Mut, sich dieser Aufgabe zu stellen.

„Unser Ziel war es, Frauen und Männern, die bereits in der Praxis tätig sind, ein Zertifikat auf Hochschulebene anzubieten“, sagte die Sozialwissenschaftlerin und Mitinitiatorin Prof. Dr. Susanne Elsen, die derzeit an der Freien Universität Bozen lehrt. Ihr zur Seite stand neben Franz Galler Prof. Dr. Klaus Sailer vom Münchner „Strascheg Center for Entrepreneurship“. „Wenn es darum geht, etwas Neues zu entwickeln, braucht man Innovation und Persönlichkeiten. Solche sozialen Entrepreneure, die versuchen, die Gesellschaft ein Stück weiter zu bringen, sitzen hier vor uns“, sagte er.

Der fachliche Koordinator vor Ort, Prof. Dr. Bernhard Zimmer, stellte die einzelnen Teilnehmer und ihre Abschlussarbeiten vor. Viele der Kursteilnehmer engagieren sich seit Jahren in der Kommunalpolitik. Andere widmen sich beruflich der Nachhaltigkeit. Drei von ihnen kamen aus der Region:

Der Waginger Richard Walter Rihl ging in seiner Arbeit auf das Thema „Phosphor – ein endliches Mineral“ ein. „Ein Gramm Phosphor genügt, um ein Kilogramm Algen wachsen zu lassen“, erklärt er das Problem der Phosphat-Düngung. Doch damit nicht genug: „Die Phosphor-Vorräte sind endlich“, so der ehemalige kommunale Seenbeauftragte für den Waginger und Tachinger See. „Sie reichen noch etwa 50 bis 100 Jahre“, schätzt Rihl. Um zu verhindern, dass das lebenswichtige Mineral für immer im Sediment der Seen oder auf dem Grund des Schwarzen Meers verschwindet, hat Rihl in seiner Arbeit einen „richtigen Recyclingkreislauf“ ausgeklügelt.

Die Fridolfingerin Anneliese Kiermaier nahm das Leitbild zur Nachhaltigen Entwicklung in ihrer Heimatgemeinde unter die Lupe. Seit 10 Jahren ist sie in der lokalen „Agenda 21“-Bewegung aktiv. In ihrer Arbeit hat sie den Zwischenstand der Projekte erfasst und möchte jetzt wieder „frischen Wind“ in die Agenda-Initiative bringen.

„Altern in Zukunft – Welche Rolle spielt eine aktive Zivilgesellschaft im ländlichen Raum?“, fragte sich Diplom-Geografin Claudia Hornung, Mitarbeiterin im Nationalpark Berchtesgaden. Sie suchte im Berchtesgadener Land nach Generationsbeziehungen in Projekten und untersuchte die Vernetzung der einzelnen Akteure. Ihr Fazit: „Es gibt viel zu tun.“

Jeanette Claudia Schaberl, seit Jahren partei- und kommunalpolitisch aktiv, ging in ihrer Arbeit der Frage nach: „Ist Nachhaltigkeit wert(e)los? Grundlagen für eine nachhaltige Politik.“ Das „Initiieren eines dauerhaften Prozesses zur Energiewende in Zwiesel“ lag dem Industrieinformatiker Martin Lippl am Herzen. Der Meliorationsingenieur Ralf Ritter, der in Sachsen-Anhalt einen Vierseithof bewirtschaftet, befasste sich mit dem Mutterboden und der Humuswirtschaft. Josef Hoffmann, Gründer der Regionalwährung „Donau-Taler“ hat eine Internetseite für die Region „Junge Donau“ entwickelt. Umweltschutzingenieur Kuno Kübler, der 2011 mit dem Münchner Umweltpreis ausgezeichnet wurde, erforschte sich selbst: „Introspektion zur Entwicklung eines nachhaltigen Lebensstils“ heißt seine Arbeit, die „30 Jahre Selbstversuch“ beschreibt. Der Wirtschaftswissenschaftler Ralph Böhlke möchte in seinem „enerBLOG“ die deutsche Energiewende auf Frankreich übertragen. Und der Software-Entwickler Christian Gruber knobelte an einem neuen Geldsystem. Seine elektronische, regionale Währung soll auch globales Wirtschaften ermöglichen und nach der Devise „Geld ist Zeit“ funktionieren.

Der nächste Zertifikatskurs soll im Frühjahr 2013 starten. Der Weiterbildungkurs läuft unter der Führung der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften der Hochschule München in Kooperation mit dem Münchner „Strascheg Center for Entrepreneurship“ und der Sozialgenossenschaft „RegioSTAR eG“ im Berchtesgadener Land. Er richtet sich an Multiplikatoren gelebter Nachhaltigkeit aus Initiativen, Vereinen und Verbänden, Politik, Kirche oder Wirtschaft. Nähere Informationen dazu gibt es im Internet unter www.nachhaltige-region.de oder telefonisch im Büro für nachhaltige Regionalentwicklung unter 08654/469988.

From → Allgemein